Glaubwürdigkeit und Realismus in fiktionalen Geschichten

Wo liegt der Unterschied und was von beidem ist wichtiger?

Potenzial für Missverständnisse

Obwohl die Sache eigentlich recht banal ist, sind sich viele Menschen nicht des Unterschiedes zwischen Glaubwürdigkeit und Realismus bewusst. Und ganz besonders, wenn es um fiktionale Geschichten geht, sorgt das sehr häufig für Missverständnisse. Der Klassiker:

„Die Stelle ist irgendwie unlogisch“
„Unlogisch? In dem Film gibt es Magie. Und da beschwerst du dich über Logiklücken?“

Was „Logik“ nun mit dem hier angesprochenen Thema zu tun hat und warum die beiden Personen in diesem Beispiel aneinander vorbei reden, darauf kommen wir weiter unten. Fangen wir aber mal mit den Basics an.

Der Unterschied zwischen Glaubwürdigkeit und Realismus

An und für sich ist der Unterschied recht schnell erklärt: Glaubwürdigkeit zielt auf die initiale emotionale Reaktion des Zuschauers ab, Realismus auf einen faktenbasierten Abgleich mit der Realität.
Eine Sache ist dann glaubwürdig dargestellt, wenn der Zuschauer sie im Moment hinnimmt, ohne sie als unpassend oder störend zu empfinden. Wenn sich die Aktion wie ein integraler Bestandteil der Geschichte und der Welt anfühlt, wenn das berühmt berüchtigte „Bauchgefühl“ stimmt, dann ist etwas glaubwürdig. Entscheidend ist, dass der Zuschauer nicht aus dem Erzählfluss gerissen wird. Damit ist auch ein weiterer Punkt schon direkt klar: Glaubwürdigkeit ist in erheblichem Maße subjektiv. Was für den Einen komplett glaubwürdig in den Kontext der Geschichte passt, reißt den Anderen auf unangenehme Weise aus dem Erzählfluss. Doch es gibt natürlich einige Grundregeln, die man befolgen sollte, wenn man ein glaubwürdiges Gesamtbild zeichnen möchte. Dazu weiter unten mehr. Kommen wir zunächst einmal zum Realismus.
Dieser ist im Gegensatz zur Glaubwürdigkeit fast vollständig objektiv. Es geht darum, was in der realen Welt möglich und plausibel ist bzw. wäre. Spielraum für Diskussionen besteht nur, wenn das Thema durch unser wissenschaftliches Weltbild noch nicht ausreichend genau beschrieben werden kann oder wenn die Diskutanten kein ausreichendes Wissen über die Thematik mitbringen. Wichtig ist allerdings eine weitere Unterscheidung, die wir an dieser Stelle aber nur kurz erwähnen wollen: Unwahrscheinliche Dinge sind nicht gleichzusetzen mit unrealistischen Dingen. Auch dies kann man oft beobachten, das soll aber hier nicht das Thema sein.

Man muss auch festhalten, dass die Begriffe „realistisch“ und „glaubwürdig“ nicht direkt voneinander abhängen. Man kann ohne Weiteres ein realistisches Szenario unglaubwürdig verpacken und genauso gut auch ein komplett unrealistisches Szenario sehr glaubwürdig darstellen. Die eine Sache bedingt nicht automatisch die andere.

Wie schafft man Glaubwürdigkeit?

Hier kommen wir wieder auf den kleinen Dialog vom Anfang und auf die Frage, was Glaubwürdigkeit mit Logik zu tun hat, zurück. Denn gerade die innere Logik der Welt, in der die Geschichte spielt, ist enorm wichtig für ein glaubwürdiges Gesamtbild. Wer Magie oder andere fantastische Elemente zum Thema macht und gewisse Regeln für diese etabliert, der sollte sich im Laufe der Erzählung auch an diese Regeln halten. Es ist vollkommen legitim, wenn man sich die mystische Komponente erhält und auf ein Aufstellen genauer Regeln verzichtet. Das kann enorm viel zur Atmosphäre beitragen, wenn es richtig gemacht wird und zum Projekt passt. Aber wer Regeln einführt, muss diese hinterher auch konsequent durchziehen. Denn letztlich ist es das Ziel, dem Zuschauer die fantastischen Elemente authentisch erscheinen zu lassen. Er soll sie als Teil der fiktionalen Welt akzeptieren und nicht jedes Mal, wenn sie auftauchen, denken: „Das gibt es ja eh nicht.“
Die Grundlage für diese Akzeptanz seitens des Zuschauers ist, dass ihm keine widersprüchlichen Informationen zu dem betreffenden Thema an die Hand gegeben werden. Man hat sowieso schon eine gewisse Hürde zu überwinden, wenn man Dinge darstellt, die es in der Realität nicht gibt. Diese muss man sich selbst nicht noch höher legen, indem man mit widersprüchlichen Informationen um sich wirft.
Natürlich ist nicht jeder kleine Fehler in der inneren Logik eines fantastischen Elements gleich dessen Todesurteil. Aber wer an dieser Stelle grobe Schnitzer vermeidet, macht sich das Leben sehr viel einfacher.
Noch einmal auf den zu Anfang erwähnten Dialog bezogen kann man das dort entstandene Missverständnis entsprechend wie folgt zusammenfassen: Der erste Gesprächspartner spricht von der inneren Logik und damit er Glaubwürdigkeit der Geschichte, während der Zweite von einer realitätsbezogenen Logik ausgeht. Eine Erkenntnis, die viele unnötige Diskussionen vermeiden kann.

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