Homöopathie

Gesellschaftlich etablierter Bullshit

Dose mit Aufschrift "Bullshit"

Esoterik vom Feinsten

Leider ist Homöopathie nach wie vor sehr beliebt in Deutschland. Mehr noch: Es scheint mittlerweile gesellschaftlich etabliert zu sein. Man kann in der Öffentlichkeit beiläufig erwähnen, dass man homöopathische Mittel nimmt, ohne dass irgendwer auch nur mit der Augenbraue zuckt. Fatalerweise ist den meisten Menschen nicht klar, was Homöopathie eigentlich ist. Denn die dahinterstehenden Konzepte sind derart haarsträubend und unsinnig, dass man kaum glauben kann, dass dieser Kram wirklich von Leuten genommen wird.
Am besten fangen wir hier mit dem Ähnlichkeitsprinzip an, das der Homöopathie ihren Namen gibt.

Das Ähnlichkeitsprinzip

Kurz und knackig auf den Punkt gebracht postuliert das Ähnlichkeitsprinzip: Man kann eine Krankheit mit einem Wirkstoff behandeln, der die Symptome der Krankheit auslösen würde. Hat der Patient also Kopfschmerzen, wird ein „Wirkstoff“ gewählt, der normalerweise bei Einnahme Kopfschmerzen auslösen würde.
Der offensichtliche Unfug wird schon an dieser Stelle sehr deutlich, denn Migräne und ein Gehirntumor werden bei dieser Vorgehensweise mit demselben „Wirkstoff“ behandelt. Warum das nicht funktionieren kann, sollte offensichtlich sein.
Aber es wird noch besser: Auf der Liste der verwendeten „Wirkstoffe“ finden sich Dinge wie Schokolade, Chanel No. 5 (Ja, das Parfüm!) und das „Licht der Venus“. Wie genau man das Licht der Venus eingefangen haben will, diese Erklärung bleibt man uns dabei schuldig. Man sieht also: Nicht nur die grundlegende Logik ist absurd, auch die auf Basis dieser Logik gewählten Wirkstoffe sind kompletter Unsinn.
Aber es kommt noch besser! Denn die „Wirkstoffe“ müssen schließlich noch potenziert werden, damit sie ihre Wirkung entfalten können.

Potenzierung

Was heißt also Potenzierung? In einem Satz ausgedrückt: Ich schütte Wasser dazu und schüttele das Ganze. Und das tue ich wieder und wieder. So lange, bis der Ursprungsstoff in der Lösung gar nicht mehr enthalten ist.
Das Schärfste: Laut der homöopathischen Lehre soll die Wirksamkeit des Mittels mit jeder Potenzierung ansteigen. Je mehr ich das Mittel verdünne, desto wirksamer soll es werden…
Auch hier ist jedem halbwegs gebildeten Menschen klar, warum das nicht funktionieren kann. Der Begründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann, erklärte die steigende Wirksamkeit bei der Potenzierung durch die Freisetzung „geistartiger Kräfte“, die durch das Schütteln angeblich freigesetzt würden.
Wenn sich die Homöopathie bis heute gehalten hat, dann muss es aber doch seitdem andere Forschungsergebnisse gegeben haben, die auf die Wirksamkeit von Homöopathie hindeuten… oder?

Wirksamkeit?

Es gibt tatsächlich bis heute keinen Grund zur Annahme, dass Homöopathie in irgendeiner Form wirksam wäre. Jegliche seriöse Studie zum Thema hat bisher ergeben, dass die Wirksamkeit nicht über die eines Placebo hinausgeht.
Da nicht jedem klar ist was bei der Bewertung der Wirksamkeit von Medikamenten zu beachten ist, hier noch ein kleiner Exkurs zum Thema:
Zunächst einmal muss die Wichtigkeit einer Kontrollgruppe hervorgehoben werden. Denn da der Mensch ein körpereigenes Immunsystem hat, muss irgendwie zwischen einer natürlichen Heilung und einer effektiven Wirkung des Medikaments unterschieden werden. War es nun wirklich das Medikament, das den Patienten gesunden ließ oder war es nur das körpereigene Abwehrsystem? Um das feststellen zu können, teilt man die Testpersonen in zwei möglichst vergleichbare Gruppen auf. Eine Gruppe bekommt dann ein wirkungsloses Placebo, während die andere das echte Medikament erhält. Auf diese Weise hat man einen direkten Vergleichswert. Wenn ein Medikament wirklich effektiv ist, wird die Gruppe mit dem echten Wirkstoff im Schnitt deutlich schneller gesunden, als die mit dem Placebo.
Weiterhin wichtig ist, dass die Studie Doppelblind durchgeführt wird. Das heißt weder Patient noch verabreichender Arzt wissen, wer das Placebo bekommt und wer den echten Wirkstoff. Die Erfahrung hat nämlich gezeigt, dass Patienten, die wussten sie nehmen einen echten Wirkstoff, sich Besserungen einbildeten, die gar nicht vorhanden waren. Um das komplett auszuschließen, wissen nur die Leute hinter den Kulissen Bescheid.
Eine Doppelblindstudie lässt sich leider nicht immer realisieren, sollte aber unbedingt angewendet werden, sofern machbar. Und das ist sie in diesem Fall.
Jegliche Studie, die diesen Anforderungen gerecht wird, konnte bei homöopathischen Mitteln keinerlei erhöhte Wirksamkeit gegenüber dem Placebo feststellen. Es gibt hin und wieder Scheinstudien, die eine Wirksamkeit belegen sollen. Diese werden meist aber ohne Kontrollgruppe und nicht doppelblind durchgeführt. Der Ablauf ist geradezu lächerlich. Meist wird eine Gruppe Menschen mit einer leichten Erkrankung wie etwa einer Erkältung genommen. Denen gibt man dann homöopathische Mittel und fragt eine Woche später: „Geht es dir jetzt besser?“ Wer den vorigen Absatz auch nur halbwegs aufmerksam überflogen hat sollte direkt merken, wo hier der Fehler liegt. Teilweise wird auch versucht, den Anschein wissenschaftlicher Seriösität aufrecht zu erhalten. Dann werden die Studienergebnisse geschickt uminterpretiert, um die eigene These zu stützen. Fakt ist: Keine Studie hat jemals auf seriöse Weise die Wirksamkeit von Homöopathie auch nur implizieren können und hat es gleichzeitig durch ein Peer Review geschafft.
„Aber es ist doch nicht schlimm, wenn die Leute bei kleinen Krankheiten homöopathische Mittel schlucken, auch wenn das Quatsch ist.“ Dieses Argument höre ich sehr häufig. Aber so einfach ist die Sache in meinen Augen nicht.

Ist Homöopathie harmlos?

Die Pillen an sich mögen nämlich harmlos sein, weil sie nur aus Zucker bestehen. Aber die Sache wird zu einem großen Problem, sobald Leute auf die grenzdebile Idee kommen, z.B. Krebs mit Globoli behandeln zu wollen. Und auf genau diese Idee würden nicht jedes Jahr tausende Menschen kommen, wenn Homöopathie nicht gesellschaftlich anerkannt wäre.
Wenn die Leute bei einem Schnupfen wirkungslose Kügelchen schlucken klingt das erst einmal harmlos. Aber sie etablieren dadurch eine komplett hanebüchene und esoterische Behandlungsmethode in der Gesellschaft. Und nur weil sie in der Gesellschaft etabliert ist, wird sie von gutgläubigen Menschen auch bei schwersten Krankheiten als alleinige Maßnahme gewählt.
An den Toten, die dies verursacht, sind alle Käufer und Verkäufer homöopathischer Mittel mit Schuld. Wer Unfug in der Gesellschaft verbreitet, kann sich nicht von den Konsequenzen ebendieses Unfugs freisprechen.
Homöopathie kostet Leben. Bitte klärt die Leute auf und tut etwas dagegen.

8 Kommentare

  1. Im Freundeskreis haben wir eine Bekannte die im Bereich „Naturheilkunde“ unterwegs ist. Was diese Frau manchmal erzählt, da kann man sich nur an den Kopf fassen… Sie lobt ganz groß Homöopathie. Doch genau erklären warum und wie das funtkioniert, konnte sie mir auch nicht.

    Grüße
    Raspberry

  2. Natürlich sollte man nicht gleich zur Chemiekeule greifen, wenn es auch ein pflanzliches Mittel tut, aber grundsätzlich bin ich von der Wirkung Homöopathischer Medikamente nicht wirklich überzeugt. Gruß Kerstin

  3. Haha das kenne ich nur zu gut. Meine Ex-Schwiegermutter hielt auch recht viel Homöopathie. Aber naja leben und leben lassen. Für mich ist es nicht mehr als Humbug und nicht weit entfernt von Betrug. Man bezahlt im Prinzip für etwas was gar nicht wirkt. Man muss diese Leute am besten einfach fragen wie das Zeug denn funktioniert, da sieht man ja wieviel von dem Zeug zu halten ist.

    Grüße
    Vanessa

  4. Ich denke Naturheilmittel sind für kleinere Beschwerden durchaus sinnvoll und haben ihre Daseinsberechtigung. Aber wenn ich höre (ich arbeite beim Kieferorthopäden)dass durch „Auspendeln“ des Körpers von einem Homöopathen eine Titanallergie festgestellt wird und der Patient nun eine Zahnspange aus Keramik und Gold bekommen muss, stellen sich mir alle Haare auf! Teilweise ganz schöner Humbug, mit dem richtig viel Geld verdient wird.

  5. Sonja, man muss schon zwischen Naturheilmitteln und Homööpathie unterscheiden! Ich finde der Griff zu homöopathischen Mitteln zeigt allerdings nur, wie sehr sich die Leute eine Alternative zum ständigen Antibiotika-Schlucken wünschen! Klar sind wir hier nicht bei wünsch-dir-was, aber Folgekrankheiten durch ANtibiotika-Einnahme oder Antibiotika-Resitenzen sprechen auch für sich.

    Grüße,
    Marina

  6. Ich las eben den Satz „Leben und leben lassen“. Das denke ich ebenfalls. Ich weiß nicht was daran falsch ist seinen Körper mit dem zu heilen was wir von Mutter Erde bekommen? Mit was behandelt Ihr denn eure Krankheiten? Medikamente?

    Zum Punk Studien kann ich nur sagen – Wenn es anerkannte geben würde, die die Wirkung von Homöopathie bestätigen würde, wer würde denn dann noch in die Apotheke gehen? Wer würde dann noch Pillen kaufen? Wer würde dann nichts mehr verkaufen? Die Pharmaindustrie.

    Ich möchte niemanden überzeugen, aber meine Freundin ist Tierheilpraktikerin und ich durfte schon so oft erleben, dass Tiere geheilt wurden dadurch. Und bis jetzt bin ich prima ohne Pillen, Salben und Spritzen über die Runden gekommen.

    Gruß Steffi

  7. Hallo, ich denke man sollte klar überlegen bei welchen Krankheiten oder Wehwehchen eine homöopathische Behandlung Sinn machen kann. Für meinen Teil habe ich sehr gute Erfahrungen damit bei meinem Heuschnupfen gemacht. Eine anderer Hinweis kam von der Tierärztin unserer Katze. Sie empfahl uns zusätzlich zu der normalen Medizin bei chronischer Niereninsuffizienz der Katze ein homöopathisches Mittel. Da dieses nachgewiesener Maßen gute Erfolge erzielt. Weder das Mittel noch die Behandlung erfolgt über die Tierärztin, also kann man hier kommerzielles Interesse ausschliessen.

  8. Die von dir genannten Dinge wie Potenzierung und was dahinter steckt kannte ich noch gar nicht. Ich glaube, der Grund, warum viele auf Homöopathie setzen, ist demnach Unkenntnis. Denn wenn man sich nicht intensiv mit dem Thema auseinandersetzt, dann kommt man schnell auf den Gedanken, dass Homöopathie nur den Unterschied zwischen pflanzlicher Medizin und chemischer Medizin ausmacht.

    Davon bin ich bisher selbst ausgegangen. Dass es im Prinzip nur Naturheilmittel sind. Da kommt es natürlich schnell mal vor, dass einem der Arzt so etwas verschreibt, und daraus ergibt sich dann die Beliebtheit solcher Mittel.

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