Männer, die auf Ziegen starren

Ein Klassiker, den kaum jemand kennt

Als vor einigen Jahren der Film „Männer, die auf Ziegen starren“ veröffentlicht wurde, ging das an den meisten Leuten unbemerkt vorbei. In vielerlei Hinsicht handelt es sich hier aber um einen bemerkenswerten Film. Er beginnt mit den Worten „In dieser Geschichte steckt mehr Wahrheit, als sie denken“. Und diese Worte könnten treffender nicht sein. Auf mehreren Ebenen.

Der Film

Worum geht es also in dem Film? Letztlich handelt es sich hier um eine satirisch kritische Aufarbeitung bestimmter Teilaspekte des Wettrüstens während des Kalten Krieges. Im speziellen der paranormalen Forschung, die damals von der US Army tatsächlich betrieben wurde. Wenngleich den Verantwortlichen auch damals (zumindest größtenteils) bewusst gewesen sein dürfte, dass es sich dabei um Unsinn handelt, wurde die Erforschung des Paranormalen dennoch finanziert. Nur um auf Nummer sicher zu gehen und nicht das Risiko einzugehen, dass die Russen auf irgendeinem Gebiet einen Vorsprung gewinnen. Der Film arbeitet in diesem Kontext die Berichte einiger Beteiligten der damaligen Zeit satirisch auf. Nicht jedes gezeigte Detail wurde tatsächlich so zu Protokoll gegeben, das Meiste ist jedoch sehr nah an den Schilderungen der Beteiligten gehalten. Es ist ganz besonders in diesem Fall jedoch besonders wichtig zu beachten, dass im Zuge der Forschungen auch recht viel mit bewusstseinserweiternden Drogen gearbeitet wurde. Drogen, die die Beteiligten allem Anschein nach auch nach Beendigung des Programms weiterhin zu sich nahmen. Die Berichte sind also mit einer gehörigen Prise Skepsis zu sehen und man sollte auch nichts in diesem Film als Fakt nehmen.
Was dieses Werk jedoch auf wundervolle Weise leistet, ist die Zeichnung eines Portraits dieser ungewöhnlichen Menschen. Ihre Schilderungen mögen nicht in jedem Punkt glaubwürdig sein und der Film mag sie extrem überzeichnen, aber nichtsdestotrotz ist es interessant zu sehen, was dieses Regierungsprogramm aus ihnen gemacht hat. Es gewährt uns einen kleinen Einblick in die (teils fiktive) Gedankenwelt von Menschen, die während dem Kalten Krieg ausgenutzt wurden und sich bis heute nicht davon erholt haben. Der Wahnsinn der Welt gepackt in einen unterhaltsamen Spielfilm, so könnte man „Männer, die auf Ziegen starren“ wohl passend umschreiben.

Das Buch

Das gleichnamige Buch weist einige strukturelle und inhaltliche Parallelen auf, was nicht weiter verwunderlich ist. Denn der Film basiert auf ihm. Insgesamt ist die Buchversion deutlich näher an den Zeugenberichten gehalten und damit ein Stück weit authentischer als die Verfilmung. Man sollte jedoch nicht den Fehler machen, das Buch als fundierte Reportage einzuordnen. Es wird zwar als „Non-Fiction“ betitelt, ist aber eher dem Gonzo Journalism zuzuordnen. Das heißt der Autor legt eher Wert darauf, eine Gefühls- und Gedankenwelt authentisch einzufangen und weniger darauf, dass jede festgehaltene Aussage kritisch hinterfragt und aufgearbeitet wird.
Es ist nicht so, dass das Buch hierdurch entwertet werden würde. Einblicke in fremde Gedankenwelten kaputter Menschen sind inhärent interessant und spannend. Aber man muss das gelesene einzuordnen wissen, genau wie beim Film auch.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen Film und Buch: Die Buchfassung wird in der zweiten Hälfte deutlich düsterer. Die anfangs noch harmlosen Auswüchse, teils inspiriert von der New Age Bewegung, pervertieren über die Zeit hinweg und führen zu geradeheraus grausamen Experimenten und Verhörtechniken. Auch hier lässt sich nicht abschließend beurteilen, ob die Berichteten Geschichten wirklich wahr sind. Sie sind aber in jedem Fall insofern authentisch, als dass sie eine glaubwürdige Entwicklung zum Schlechten hin schildern, obwohl zu Anfang gute Vorsätze gegeben waren. Letztlich die älteste Geschichte der Welt, aber an dieser Stelle in einer modernen Fassung aufbereitet, die sogar ein nicht genau messbares Stück Wahrheit enthält.

Sowohl Buch als auch Film sind in erster Linie gute Unterhaltung. Der Reiz ergibt sich unter anderem daraus, dass man niemals genau zu sagen vermag, wo die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen. Beide Werke sind aber auch dergestalt aufgebaut, dass sie uns mit wichtigen Fragen über unsere Gesellschaft, Politik und Kultur konfrontieren. Und sie öffnen das Tor in eine Gedankenwelt, die den meisten von uns völlig fremd ist. Was will man mehr?

1 Kommentar

  1. Das Buch selber habe ich gelesen. Ich finde auch das dieses sehr authentisch dargestellt wurde. Ein kritisches Hinterfragen hat nur in einem kleineren Bereich stattgefunden. Natürlich kann man so direkt nicht sagen, ob die Geschichten wahr sind, diese hören sich allerdings sehr echt an und das auch nicht nur teilweise, sondern das Buch hindurch. Man merkt eindeutig, wie das Buch versucht, dunkler zu werden umso länger man es liest. Ich denke auch das war so gewollt.

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