Noch immer keine Homo-Ehe

Skandal oder vertretbare Position?

Frau zeigt Stopp an

So sehr die Homo-Ehe auch im Gespräch ist: Von einer tatsächlichen Einführung sind wir meilenweit entfernt. Die Gegner kommen dabei einerseits aus dem klar homophoben Lager, andererseits geben sich viele Kritiker aber auch betont weltoffen und wiederholen immer wieder, dass sie nicht diskriminieren wollen. Die Ehe sei für sie die Beziehung zwischen Mann und Frau, weshalb die Homo-Ehe einer Umdeutung des Begriffs gleichkäme. Doch ist das wirklich eine schlüssige Argumentation? Mit der Ehe wird im Allgemeinen primär die Absicht verbunden, das Leben gemeinsam zu verbringen. Ausdruck findet das auch bezüglich der Hochzeitszeremonie. Es wird davon geredet den Partner zu lieben und zu ehren bis der Tod sie schließlich scheidet.
Weshalb ich diesen Punkt so betone? Gegner der Homo-Ehe führen oft das Argument an, Homosexuelle könnten ja keine Kinder bekommen, weshalb ihre Beziehung nicht mit einer heterosexuellen gleichsetzbar sei. Dass bei der Eheschließung aber nicht das Gebären von Kindern geschworen wird und auch bei Heterosexuellen die Erlaubnis zur Heirat nicht von der Absicht abhängig gemacht wird, Kinder in die Welt setzen zu wollen, fällt dieses Argument flach.
Dass die Ehe im Gesetzestext oder der Bibel als Beziehung zwischen Mann und Frau definiert sei, bekommt man ebenfalls oft zu hören. Besonders der Bezug auf die Bibel ist komplett unsinnig, da Deutschland ein säkularer Staat ist. Was in irgendwelchen heiligen Schriften steht, das kann und darf auf unsere Gesetzgebung keinen Einfluss nehmen. Die strikte Trennung von Kirche und Staat ist wichtig. Dass die Ehe im Gesetzestext als heterosexuelle Beziehung definiert ist, das ist ein Irrglaube. Der Gesetzestext spricht stets geschlechtsneutral von „Ehepartnern“ oder „Verlobten“.
Abgesehen davon wäre eine spezifische Definition als heterosexuelle Partnerschaft auch potentiell das Resultat einer anti-homosexuellen Einstellung in der Vergangenheit. „Weil das halt schon immer so war“ ist eigentlich nie ein schlüssiges Argument. Wäre die Ehe im Gesetzestext als Beziehung zwischen Mann und Frau definiert, wäre das kein Argument dafür, diese einfach beizubehalten.
Denn letztlich läuft die Trennung von „Ehe“ und „Lebenspartnerschaft“ auf die folgende schwachsinnige Argumentation hinaus: Ja, natürlich ist Homosexualität normal. Aber sie ist halt anders. Ja, natürlich sind Homosexuelle gleichberechtigt. Wir behandeln sie doch nur anders.
Wenn es um Diskriminierung und Ausgrenzung geht, dann sind Definitionen in der Sprache und in Rechtsbelangen von entscheidender Bedeutung. Wenn eine eingetragene Lebenspartnerschaft genau so wie eine Ehe ist, da man ja auf keinen Fall diskriminieren möchte, warum nimmt man dann überhaupt diese begriffliche Abgrenzung vor? Warum benutzt man zwei verschiedene Begriffe für Dinge, die angeblich ja in der Art gleich und gleichwertig sind?

Was wirklich dahinter steckt

Hinter der vorgeschobenen Weltoffenheit und den Beteuerungen, dass man ja nicht diskriminieren wolle, steht in diesen Fällen letztlich dennoch eine klare Diskriminierung. Die Ehe steht in unserer heutigen Gesellschaft in erster Linie für die Absicht, gemeinsam das Leben zu verbringen. Wer Homosexuellen das Label „Ehe“ nicht gönnt, der wertet homosexuelle Beziehungen ab. Ob nun bewusst oder unterbewusst, letztlich verstecken die „weltoffenen“ Kritiker nur ihre Intoleranz hinter ein paar schönen Worten.
Die Absurdität der Argumentation wird auch recht deutlich, wenn man sie mal auf die Grundlagen herunterbricht: „Ich habe ja nichts gegen Homosexuelle, aber die Ehe ist halt nicht für Homosexuelle gedacht.“
Vergleichbare Argumentationen sind nichts Neues. Auch in Amerika hörte man zu einem bestimmten Punkt der Geschichte Sprüche wie diesen: „Ich habe nichts gegen Schwarze und will nicht gegen sie diskriminieren, aber man sollte die Rassen halt nicht mischen.“ Wenn man zwar der Meinung ist, dass eine gewisse Gruppe Menschen weniger Rechte verdient hat, dies aber nicht zugeben möchte, dann tut man so als wäre die besagte Gruppe halt „anders“ und müsse deshalb vom Rest getrennt werden. Natürlich vollkommen „wertungsfrei“.

Da sind mir die offenen Gegner der Homo-Ehe noch lieber. Die sind wenigstens ehrlich.

8 Kommentare

  1. Hallo,
    ich finde deine Argumentation sehr schlüssig und es entkräftigt wirklich viele Vorurteile und Argumente, die immer wieder in den Raum geworfen werden. Über die Bedeutung der Ehe in dem Sinne habe ich auch nicht nachgedacht, sehr einleuchtend.

    Gruß Michael

  2. Ich bin auch dafür, dass wir die Homo Ehe einführen sollten.
    Denn eigentlich wir doch schon in den Grundrechten gesagt:
    Jeder Mensch ist gleich!

    Wieso sind also „normale“ Ehen gleicher als Homo Ehen?

  3. Ich finde deinen Artikel hervorragend geschrieben. Super Argumente, die zeigen das die Nichteinführung einer Homoehe leider pure Diskriminierung darstellt. Hoffen wir, dass es bald soweit ist.

  4. Der beitrag ist super ich bin ganz deiner meinung und sehe es in zukunft auch ganz bestimmt das homo-ehe eine ganz normle sache sein wird wir menschen entickeln uns doch weiter und es sollte mehr tolleranz geben

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