Serien Online schauen

Welche Folgen hat das Video-On-Demand-Modell?

Im Bann der Serien

Hier geht es nicht um illegale Angebote wie kinox.to und Konsorten! Wer danach sucht, ist hier falsch!

Die gute alte Zeit

Es ist noch gar nicht so lange her, da stand die persönliche Lieblingsserie nicht ständig auf Abruf bereit. In diesen mittlerweile nahezu mittelalterlich anmutenden Zeiten musste man doch tatsächlich zu einer bestimmten Zeit den Fernseher bemühen, wenn man die neueste Folge sehen wollte. Und wehe man verpasste diesen Termin und dachte nicht daran, die Sendung aufzunehmen… Dann ging das lange Warten auf den DVD-Release los. Und davon, dass man dann über diesen gesamten Zeitraum hinweg Spoiler vermeiden musste, will ich gar nicht erst anfangen. Dank diverser Video-On-Demand-Anbieter(Amazon Video, Watchever, Netflix) ist das heute zum Glück anders. Letztlich soll es hier und heute aber weniger um VOD allgemein gehen, sondern um ein paar spezielle Phänomene, die durch die Etablierung der VOD-Anbieter entstanden sind. Zunächst einmal: Der Release ganzer Serienstaffeln auf einen Schlag. (Wie z.B. bei Daredevil)

Binge-Watching und die Folgen

Wenn ganze Serienstaffeln auf einmal erscheinen, dann endet das oft in Binge-Watching. Besonders dann, wenn fiese Cliffhanger im Raum stehen, fällt das Aufhören schwer. Und es hat auch etwas extrem mitreißendes, für 5-6 Stunden am Stück in eine fiktive Welt zu versinken. Binge-Watching hat jedoch recht viele Folgen. (Ja, ich konnte mir das Wortspiel nicht verkneifen.) Und damit möchte ich nicht auf irgendwelche Extremfälle hinaus, die über den Serienkonsum ihre Pflichten im realen Leben vergessen. Vielmehr geht es mir um den normalen Zuschauer, der Binge-Watching betreibt, ohne seine Pflichten aus den Augen zu verlieren.
Denn auch dort ändert sich durch die Veröffentlichungsmethode die Art, wie das Medium wahrgenommen wird, ganz gewaltig. Es fällt nämlich der Austausch mit anderen Fans zwischen den Folgen fast komplett weg. Die Folge ist zuende – Eine neue Folge wird gestartet. Dass man gemeinsam als Fanbase eine Woche lang wartet und spekuliert findet einfach nicht mehr statt und beraubt das Medium einer wichtigen sozialen Komponente. Neben dem Unterhaltungswert der Sendung selbst ist auch die Diskussion über das Gesehene und der Abgleich damit, wie andere Zuschauer die letzte Folge wahrgenommen haben, eine Quelle für Unterhaltung(en) und damit für viele Zuschauer wichtig. Eindrucksvoll belegen lässt sich das mit den mittlerweile unzähligen Aftershows auf YouTube, die in aller Ausgiebigkeit Details zu aktuellen Episoden diskutieren, meist auch unter Einbezug des Publikums per Social Media. In Amerika hat es The Talking Dead gar geschafft, im Fernsehen direkt nach der diskutierten Show zu laufen. Wir wollen nicht nur still vor uns hin konsumieren. Wir wollen unsere Erfahrungen teilen und fremde Blickwinkel erkunden. Und das geht nur dann so richtig gut, wenn alle Beteiligten ungefähr auf demselben Wissensstand sind. Ist bei drei Leuten einer erst bei Folge zwei, der nächste bereits bei Folge 6 und der letzte schon bei Folge 11, dann wird das Jonglieren mit Spoilern zur Tortur. Klar, es gibt noch Internetforen, in denen es meist klar abgesteckte Threads für jede Episode gibt. Aber eine Diskussion im Forum ist dann doch etwas anderes als eine im Freundeskreis.
Es geht allerdings noch eine zweite Sache verloren durch diese Art von Releasemodell. Wer Serien Online schauen kann, der legt meist keine längeren Pausen zwischen den Folgen ein. Schlicht und einfach, weil er das nicht muss. Natürlich ist das auf der einen Seite eine tolle Sache, wenn man nicht auf den Release der nächsten Folge warten muss. Auf der anderen Seite ist Vorfreude aber immer noch die schönste Freude. Bei einem wöchentlichen Erscheinungsrhythmus wird jede Folge mehr oder weniger „zelebriert“, statt halt irgendwie in einem Stapel wegkonsumiert zu werden. (Um es mal ein bisschen überzogen auszudrücken.) Ereignisse können sich nicht mehr richtig im Kopf des Zuschauers setzen, bevor das nächste Kapitel beginnt. Und sie wirken dadurch auch nicht mehr so lange nach. Mir stellt sich an dieser Stelle die Frage, ob man diesen Punkt nicht auch beim Verfassen der Drehbücher im Hinterkopf behalten muss. Denn es ist eindeutig ein Unterschied, ob der Zuschauer 7 Tage Zeit hat das Gesehene zu verarbeiten oder nur 5 Minuten.
Am ärgerlichsten sind aber die Spoiler, die man sich unfreiwillig über Youtube, Facebook, Twitter und Konsorten einfängt. Wer nicht durch die Staffel sprintet wie ein Irrer, der muss eigentlich das Internet komplett meiden, wenn er Spoiler umgehen will. Mal aus böser Absicht heraus, mal durch Schusseligkeit schmeißen die Leute, die in der Serie bereits weiter sind, munter mit Spoilern um sich… Das nimmt teilweise schon echt katastrophale Ausmaße an. Bei einem wöchentlichen Erscheinen kann man es noch schaffen, nicht zurückzufallen. Kommt die gesamte Staffel auf einmal, fällt man als Berufstätiger zwangsweise hinter den Schülern dieser Welt zurück. – Und muss sich selbst Social-Media-Verbot erteilen.

An und für sich eigentlich recht lapidare Erkenntnisse, ich wollte es nur mal loswerden. Serien Online schauen ist eine tolle Sache, aber ich würde mir wirklich ein wöchentliches Erscheinen als Standard wünschen. Mal sehen, was die Zukunft bringt.

Platz für Nischenserien

Besonders bei Nischenserien bietet VOD unglaubliche Vorteile. Denn man muss hier keinen Sendeplatz freiräumen oder dergleichen. Das mag zunächst einmal banal klingen, macht aber einen großen Unterschied. Bei einem klassischen Sendeplan mit festen Spielzeiten ist die Luft in der Primetime sehr dünn. Da kann man im normalen TV-Modell keine großen Experimente starten, sondern muss etwas Massentaugliches bringen. Wer zu sehr vom Mainstream abweicht, verliert die Zuschauer. Ungewöhnliches Programm muss, wenn überhaupt, auf schlechteren Sendeplätzen platziert werden, in der Hoffnung dass die Zielgruppe gezielt einschaltet und damit genug Quote rumkommt. Allzu viel Geld kann man in diesem Szenario in solche Projekte nicht stecken.
Video on Demand macht jedoch alle Sendungen gleichermaßen Primetime tauglich. Serien mit Nischenpublikum versauern nicht zu katastrophalen Uhrzeiten, sondern stehen der Zielgruppe jederzeit und damit auch zur Primetime zur Verfügung. Dadurch können für diese Art von Sendung Online erheblich höhere Zuschauerzahlen erzielt werden als im herkömmlichen TV-Programm. Was wiederum ein höheres Budget rechtfertigt.
Wer gerne einmal Dinge abseits des Standards sieht, für den werden sich gezielt für VOD-Dienste produzierte Serien potentiell sehr lohnen. Einen Haken hat die Sache jedoch: Viele der Serien, die gezielt für den Online-Markt produziert werden, sind Plattformexklusiv.

Exklusivtitel

Exklusive Serien-Eigenproduktionen sind ein mittlerweile sehr bewährtes Lockmittel. Netflix hat sie und Amazon Video ließ gar die Community darüber abstimmen, welche Serienpiloten eine gesamte Staffel verdient haben. (Und macht dies nun jährlich aufs neue.) Auf der einen Seite ist das gut für den Kunden, weil bei diesen Lockangeboten die Flagschiff-Funktion und der damit einhergehende Abo-Anreiz im Vordergrund stehen. Die jeweilige Plattform hat also ein starkes Interesse daran, gute Qualität abzuliefern.
Auf der anderen Seite ergibt sich natürlich der Nachteil, dass es sich hier um Exklusivtitel handelt. Das heißt man muss potentiell mehrere Plattformen abonnieren, sofern man nicht statt den Weg über VOD zu wählen die passende BluRay oder DVD kauft. Und das kann sich dann doch sehr schnell läppern. Für eine einzige Serie monatliche Gebühren zahlen, das fühlt sich für den Kunden sehr bitter an.
Als Entscheidungshilfe hier kurz die wichtigsten Exklusiv-Titel, die es im Moment so gibt:

Amazon Video

  • Hand of God
    In dieser Serie geht es um einen Richter, der glaubt die Stimme Gottes zu hören und Visionen zu haben.
  • Bosch
    Hier handelt es sich um einen bodenständigen Cop Thriller. Wird mancherorts sogar mit True Detective verglichen.
  • Red Oaks
    Spielt in den 80ern und fällt in den Bereich Comedy. Ist allerdings nur im Englischen O-Ton erhältlich.
  • Mozart in the Jungle
    Es geht um das Leben des bekannten Komponisten – Irgendwo zwischen Drama und Komödie.
  • Transparent
    Wenn man mit Tabus bezüglich Sexualität bricht und dafür mehrere Golden Globes gewinnt, hat man etwas richtig gemacht.
  • Alpha House
    Sehr treffende Satire über den amerikanischen Politapparat.
  • Betas
    Die Serie spielt in Silicon Valley und fällt ins Genre der Komödien. Damit sollte wohl die grobe Richtung klar sein.

Netflix (Auswahl)

  • Narcos
    Serie über den Drogenhandel, die schockiert.
  • Daredevil
    Der blinde Marvel-Held geht in Hells Kitchen auf Streife.
  • Jessica Jones
    Die Detektivin mit dem gewissen Etwas aus dem Marvel-Universum widmet sich ungewöhnlichen Fällen.
  • Luke Cage
    Als dritter im Bunde ist auch der Marvel-Held Luke Cage mit dabei.

3 Kommentare zu Serien Online schauen

  1. Grüße

    Ein toller Artikel. Als ich die ersten Absätze gelesen habe, da habe ich gleich an OC California gedacht, wo ich ein die 4 ersten Folgen verpasst habe, weil ich im Ausland war. Als ich wieder in Deutschland war, das erste was ich gemacht habe, war ein kleiner Besuch bei Mediamarkt und da habe ich mir das 2 Season auf DVD gekauft. Das waren noch Zeiten.

    Netflix nutze ich selbst, weil ich ein großer Fan von TV-Serien bin. Die ganze Transformation war positiv, weil wir jetzt unser Lieblings Serien immer wieder sich online anschauen können. Egal ob wir Spätsicht haben oder irgendwo verreisen, wir können die Folgen die wir verpasst haben einfach später online abrufen. Wenn es sich um die Spoiler handelt, als einer der wenigen dagegen kann ich mich sehr gut verteidigen, weil ich keine Social Media wie Facebook oder Twitter nutze.

    Wenn es ich um die Serien handelt wo alle Folgen auf einmal veröffentlicht worden sind, da habe ich Erfahrungen bis jetzt mit Daredevil gemacht, wo ich ehrlich zugeben kann, dass ich die ganzen Folgen mit meiner Freundin am einem Wochenende sich angeschaut habe. Mit Jessica Jones und Narcos habe ich noch keine Vergnügung gehabt aber das wird sich am dieses Wochenende ändern. Auf jedem Fall finde ich die Möglichkeit sich alle Folgen auf einmal ein Zuschauen gut, wobei wenn ich längere darüber nachdenke, bin ich auch froh, dass andre Produktionen so was ehe vermeiden, und ich doch 1 bzw. 2 Wochen auf eine neue Folge Warten muss. Ansonsten hätte ich keine Serien, die ich Einschauen möchte.

  2. Toller Artikel. Serien online schauen ist eine tolle Beschäftigung. Mr. Robot kann ich sehr empfehlen. Sehr mitreißend. Die Idee erinnert an Fight Club, aber an das digitale Zeitalter angepasst. The Newsroom ist ein ist ebenfalls sehr empfehlenswert.

  3. Ich schaue sehr gerne Online. Ich hatte zuerst Amazon Prime, mitlerweile bin ich auf Netflix umgestiegen. Beide haben so ihre eigenen Serien, die sehr empfehlendwert sind. So fand ich Mr.Robot auch super klasse. Das war aber eher die einzige Serie bei Prime.

    Bei Netflix gibt es soviele gute Serien und auch Dokumentationen. Das kann echt süchtig machen. Vor allem, da es im normalem TV nicht mehr wirklich etwas gibt, was sich zu schauen lohnt. So schau ich dann schon mal 3-4 Folgen direkt nacheinander 😉

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