State of the Union – Teil 2

Soziale Ungerechtigkeit im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Das weiße Haus

Dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander geht, das ist nichts Neues. Es handelt sich dabei um ein globales Phänomen, das durch unser Wirtschaftssystem begünstigt, wenn nicht sogar verursacht wird. Auch was soziale Ungerechtigkeit angeht beweist Amerika jedoch wieder einmal, dass es ein Land der Extreme ist.
In keinem anderen westlichen Land bekommen die unteren 90% der Bevölkerung weniger vom Wachstum der Wirtschaft ab als in Amerika. Während die Produktivität der Gesamtwirtschaft in den letzten Jahrzehnten immer weiter anstieg, stagnieren die Reallöhne bereits seit geraumer Zeit auf demselben Niveau.
Diese Entwicklung ist umso bedenklicher, weil sie einen Rattenschwanz an Konsequenzen nach sich zieht. Denn ein Studium, ja teils sogar schon ein gute Schule, schlägt sich in den USA mit beträchtlichen Kosten nieder, die sehr schnell im 6-stelligen Bereich liegen können. (Im Durchschnitt sind es jedoch „nur“ 35.000 Dollar) Nicht ohne Grund sind Bildungskredite einer der am schnellsten wachsenden Kreditmärkte in den Staaten. Hätten die Eltern ein ausreichendes Einkommen, müssten viele dieser Kredite überhaupt nicht erst in Anspruch genommen werden. Davon, dass für viele Menschen ein Studium unter diesen Bedingungen überhaupt nicht möglich ist, mal ganz abgesehen.
Auch die Konsequenzen für die Wirtschaft sind erheblich, denn eine schlecht verdienende Bevölkerung kann weniger Waren konsumieren.
Aber auch das politische System an sich bleibt von einer derart ungerechten Einkommensverteilung nicht unbeeinflusst. Durch kontinuierlichen Einfluss ist es in Amerika gelungen, Geldspenden als Teil der freien Meinungsäußerung zu etablieren. „Money is speach and we have free speach“ ist das an dieser Stelle verwendete Argument. Dadurch, dass es mittlerweile keine Begrenzung mehr bei Wahlkampfspenden gibt, ist der gesamte Politapparat in einem Sumpf aus Korruption versunken. Ohne Großspender zu einer Wahl anzutreten ist nur in sehr seltenen Fällen (wie aktuell bei Bernie Sanders) überhaupt etwas, das wahrgenommen wird. Wer nicht Millionen investieren kann, fällt in aller Regel hinter der Konkurrenz zurück. Der Druck dazu, Geldmittel einzutreiben, geht mittlerweile so weit, dass selbst während der laufenden Amtszeit die Hauptbeschäftigung eines Gouverneurs ist, schon die Geldmittel für den nächsten Wahlkampf zu beschaffen. (Zumindest in den sogenannten Swing States)
Dass all diese Spender auch etwas für ihr Geld sehen möchten, das versteht sich von selbst. Seien es nun Subventionen, Gesetzesänderungen oder andere Privilegien. Wie weit dieser Einfluss reicht, zeigte sich z.B. im letzten Jahr nach den Vorkommnissen in San Bernardino. Ein Antrag, der eine strengere Durchführung der sogenannten Background Checks beim Waffenverkauf vorsah, wurde mit Mehrheit abgelehnt. Obwohl über 90% der Bevölkerung für strengere Überprüfungen sind. Selbst darauf, dass man an Leute auf der Terrorist Watch List keine Waffen verkaufen sollte, konnte sich der Senat nicht einigen. Darüber kann man eigentlich nur den Kopf schütteln. Und es handelt sich hierbei keinesfalls um einen Einzelfall. Die Princeton University verglich 2014 in Zusammenarbeit mit der Northwestern university insgesamt 1800 verschiedene Gesetzesentwürfe aus dem Zeitraum von 1981 bis 2002. Das Ergebnis: Die Meinung der Bevölkerung hat geringen bis gar keinen Einfluss auf die Gesetzgebung. Und wenn sie den Interessen der ökonomischen Elite entgegensteht, verliert sie in der Regel.
Damit sind die USA de facto keine Demokratie mehr, sondern eine Oligarchie, in der eine kleine Elite die Kontrolle hat.

Wir sollten uns dieses Negativbeispiel vor Augen halten und alles daran setzen, dass wir in Deutschland nicht in dieselben Verhältnisse abrutschen. Es ist zwar nicht alles perfekt im Moment, aber das ist ja kein Grund, es noch schlimmer werden zu lassen. Ein guter erster Schritt wäre, nicht mehr die etablierten Parteien zu wählen.

4 Kommentare

  1. Sehr guter Artikel. Ich denke in den USA herrscht immer noch einiges an Entwicklungsbedarf, was die soziale Gerechtigkeit angeht. Es fängt ja bereits bei den Kosten für Arztbesuche an. Und dass man dort nach all den zahlreichen Vorfällen noch immer Waffen frei kaufen und mit sich tragen kann, erschließt sich mit nicht. Besonders da sich bereits viele US-Amerikaner dagegen ausgesprochen haben. Für die Unterschicht kann und muss sich in den USA einfach noch vieles ändern.

  2. Finde es auch sehr bedenklich, dass so wenig Leute so viel Geld haben. Es ist ja auch so, Geld zieht Geld an. Wenn man erstmal eine Wohnung hat, ist es nicht mehr so schwierig eine zweite zu bekommen.
    Liebe Grüsse.
    Gaby

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