Brexit: Wahnsinn in Europa

Stichwort Brexit

Das britische Volk hat gesprochen, der Brexit soll kommen. Und auch wenn die langfristigen Folgen dieser Entscheidung kaum absehbar sind und der eigentliche Austrittsprozess noch gar nicht begonnen hat, sind die ersten Auswirkungen bereits jetzt spürbar. Zusätzlich wurden während und nach der Abstimmungen einige durchaus interessante Dinge bezüglich des momentanen Zeitgeistes deutlich. Grund genug für uns, zumindest mal kurz über das Thema zu reden.

Über die wirtschaftlichen Folgen muss an und für sich nicht viel gesagt werden. Das britische Pfund befindet sich werttechnisch im freien Fall, Investoren beginnen ihr Kapital abzuziehen. Kennen wir alles aus den Nachrichten zur Genüge. Der schlechte Wechselkurs wird sich letztlich in allen Bereichen der britischen Gesellschaft negativ niederschlagen. Sei es nun Forschung, Handel, Sozial- oder Krankensystem. Dass niemand einen Plan zur Abfederung dieser Probleme hat, wird spätestens durch die Rücktritte von Farage und Johnson deutlich. Bedenkt man, dass Farage auch bereits eingestehen musste, dass er mit falschen Informationen für den Brexit warb, ergibt sich ein recht klares Bild: Es ging letztlich nur darum, mit der Brexit-Kampagne Aufmerksamkeit zu generieren und den eigenen Namen bekannt zu machen. Alles in der Hoffnung, entweder aus der Bekanntheit Kapital schlagen oder sich in der politischen Landschaft als Revolutionär etablieren zu können. Beziehungsweise im Idealfall wohl beides. So weit, so verwerflich. All dies jedoch, so legt es zumindest der Rücktritt direkt nach der Entscheidung nahe, im sicheren Wissen zu tun, dass ein Brexit katastrophale Folgen hätte, das schlägt dem Fass den Boden aus. Die Beteiligten mögen davon ausgegangen sein, dass eine derart absurde Idee keinerlei Chance hat, bei einer Volksabstimmung tatsächlich zu gewinnen. Aber mit der Zukunft einer Nation bzw. einem Länderbündnis wie der EU auf perfide Art zu spielen, weil es „schon nicht schiefgehen wird“, das erfordert ein unermessliches Maß an Egoismus und Skrupellosigkeit.
Es ist aber auch gleichzeitig ein Spiegel dessen, was die heutige „Politik“ eigentlich geworden ist. Die Zeiten, in denen es wirklich um das Formen der Gesellschaft und das Vertreten von Überzeugungen ging, sind schon lange vorbei. Es werden in den meisten Fällen entweder Referentenentwürfe aus der Wirtschaft unkritisch durchgewunken oder populistische Absurditäten zum Besten gegeben, um Aufmerksamkeit zu generieren. Und das ausdrücklich nicht nur in Großbritannien. Was ist von einer politischen Landschaft zu halten, in der Inhalte und Fakten keine Rolle mehr spielen? Das ist eine der zentralen Fragen, die der Brexit aufwirft.

Das britische Volk muss sich allerdings auch einiges an Schelte gefallen lassen. Denn dass die Abstimmung überhaupt so ausgegangen ist wie sie ausgegangen ist, liegt an nicht sehr schmeichelhaften Gründen. Da wäre zum einen die sehr niedrige Beteiligung der jungen Briten beim Referendum. Und die Tatsache, dass die überwältigende Mehrheit der Stimmen für einen Austritt von älteren Generationen kam. Über die Zukunft des Landes wurde also von denjenigen entschieden, die davon kaum noch etwas mitbekommen werden. Das klingt erst einmal zynisch, ist aber trotzdem in höchstem Maße problematisch. Eine Jugend, die nicht an der politischen und wirtschaftlichen Zukunft des eigenen Landes interessiert ist, ist kein stabiles Fundament, auf das man aufbauen kann. Die Alten stellen die Weichen in Richtung der Vollkatastrophe und die Jungen interessiert es nicht. Das ist ein Szenario, das gar nicht gut ausgehen kann.
Bezeichnend ist auch, dass erst NACH dem Referendum plötzlich viele Briten danach googleten, was die EU überhaupt ist, stimmt nicht optimistisch. Man weiß hier zugegebenermaßen nicht, wer genau für die Suchanfragen verantwortlich ist. Im besten Falle waren es die jungen Nichtwähler, die vorher desinteressiert waren und sich nach der Entscheidung dann doch informieren wollten, was da überhaupt beschlossen wurde. Im schlimmsten Fall waren es die Brexit-Befürworter, die aus einer Proteststimmung heraus einfach mal abgestimmt haben ohne sich zu informieren und dann plötzlich gemerkt haben, dass so eine Abstimmung ja tatsächlich Dinge verändern kann. Beide Szenarien sind für die Suchenden nicht besonders schmeichelhaft.

Unser politisches System ist kaputt, den Menschen ist es entweder egal oder sie lassen sich von populistischen Aufschneidern instrumentalisieren und es gibt kein Licht am Ende des Tunnels. Ich wage an dieser Stelle mal eine Vorhersage: Der Brexit war nur der Anfang.

7 Kommentare

  1. Hallo,

    sicherlich ist der Verlust der Briten tragisch. Andererseits wird häufig ein Aspekt gar nicht gesehen, der sich für die Briten durchaus vorteilhaft auswirken könnte, allerdings erst langfristig. Nämlich die Möglichkeit, ohne die Regeln der EU Wirtschaftspolitik zu machen. Mit einer ansiedlungsfreundlichen Wirtschaftspolitik (also niedrigen Unternehmenssteuern) beispielsweise. Oder aber niedrigschwelligen Regularien, was für Unternehmen interessant sein könnte, die aktuell mit Handelshemmnissen durch überzogene EU-Vorschriften zu kämpfen haben. Wenn dann die EU, wovon auszugehen ist, auf Großbritannien zugeht und eine Art „Mitgliedschaft ohne Mitgliedschaft“ aushandelt, haben die Briten gewonnen und der „Brexit“ steht auf anderen Füßen. Sicherlich sind das nur Vermutungen, aber in einer globalisierten Welt kann eine unabhängige Steuerpolitik sicherlich zu einem Standortvorteil führen. Ob das aber für die Schichten, die vor allem für den brexit stimmten (Unter- und Mittelschicht) ein Vorteil sein wird sei dahingestellt.

    Viele Grüße!

  2. Hier bleibt tatsächlich mal abzuwarten, wie sich das alles entwickelt. Ich befürchte aber, dass die EU einknickt in Bezug auf die Wirtschaftsbeziehungen und die Briten sich freuen werden.

  3. Für mich persönlich ist der Brexit ein Schock. Auch wenn viele Medien berichteten, dass es eng werden würde, so hatte ich mich doch darauf verlassen, dass die Briten schon den europäischen Weg wählen würden. Schade eigentlich….

  4. Gewiss wird es auch zu Problemen kommen. Keine Veränderung geht ohne Reibung ab. Aber ich unterstütze den Brexit als eine Schritt weg von einer Entmündigung durch die EU-Diktatur und hin zu einer neuen Selbstbestimmung. Ich halte es für eine Illusion zu glauben, dass ein gutes Leben für europäische Staaten nur innerhalb der EU möglich sei. Für mich ist das Gegenteil der Fall. Jetzt geht es also für die Briten darum, die neuen selbstbestimmten Möglichkeiten zu nutzen.

  5. Hallo,

    meiner Meinung nach ist es zwar erstmal ein Schock aber ich denke für die Briten wird sich Wirtschaftlich nix ändern. Sie werden mit der EU ein abkommen schließen und daher keine Nachteile haben. Nur die Vorteile das Sie für die EU nix mehr zahlen müssen.

    Schöne Grüße

  6. Auch drei Monate nach dem beschlossenen Brexit gibt es noch keine wirklichen Neuigkeiten zu dem Thema. Ich denke, man kann davon ausgehen, dass der Brexit nun doch nicht so heiß gegessen wird, wie er gekocht wurde: Sicherlich werden von Seiten der Wirtschaft Möglichkeiten gefunden werden, die für sie teils unangenehmen Folgen geschickt zu umgehen. Die EU wird sich freuen, wenn England auch weiterhin ein wichtiger Handelspartner bleibt.

  7. Hallo,
    jaja, sehr tragisch. Die armen Briten sind bald raus aus der EU. DAs zeigt wieder, dass man über solche Themen besser die Volksabstimmung außen vor lässt. …..

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