Wikileaks für Einsteiger

Was Sie über Wikileaks wissen müssen!

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Thema Wikileaks

Spätestens seit Cablegate sollte Wikileaks eigentlich jedem ein Begriff sein. Trotzdem kann es nicht schaden, die wichtigsten Eckdaten kurz zusammenzufassen. Denn über den Namen und ein paar schwammige Informationen hinaus wissen viele Leute leider immer noch nicht, was hinter diversen Enthüllungen steckt und mit welchen Problemen sich Wikileaks bei der aufklärerischen Arbeit konfrontiert sah. Fangen wir mit der Frage an, um was genau es hier eigentlich geht.

Gründung und Persönlichkeiten

Gegründet wurde Wikileaks im Jahr 2006. Die Umstände der Gründung sind nicht komplett öffentlich bekannt, da die Gründer mit Ausnahme von Julian Assange bisher anonym geblieben sind. Ob Assange nun wirklich die treibende Kraft hinter der Gründung war oder diese Darstellung nur dazu dienen soll, ihn als Gesicht von Wikileaks zu legitimieren, das lässt sich von außen nicht abschließend bewerten. Fakt ist, dass er von Anfang an dabei war.
Weitere durch Wikileaks bekannte Gesichter sind Kristinn Hrafnsson, ein Sprecher der Organisation (und oft als zweiter Mann nach Assange bezeichnet) sowie Herbert Snorrason und Daniel Domscheit-Berg. Die letzteren beiden haben Wikileaks jedoch bereits 2010 verlassen, um das Projekt „Open Leaks“ auf die Beine zu stellen. Vorausgegangen war, so Domscheit-Berg (damals noch unter dem Pseudonym Daniel Schmitt), ein Streit über den Führungsstil von Wikileaks.
Ziel der Plattform ist es, diejenigen zu unterstützen, „die unethisches Verhalten in ihren eigenen Regierungen und Unternehmen enthüllen wollen“. Wikileaks ist damit eine klassische Enthüllungsplattform, worauf auch schon der Slogan recht eindeutig hinweist:

„We open gouvernments.“

Dass dieser Anspruch von Transparenz nicht in ausreichendem Maße für das eigene Projekt eingehalten wird, ist DER große Kritikpunkt, den man am Projekt anbringen kann. (Siehe auch der Weggang von Domscheit-Berg) Denn der Einfluss von Wikileaks ist mittlerweile nicht gerade klein. Diese Macht auf einen Menschen, also Assange, zu konzentrieren kann langfristig zum Problem werden. Auch wenn es bisher keine Anzeichen für einen böswilligen Machtmissbrauch seitens Wikileaks gibt, sollte sich diesbezüglich etwas ändern. Sonst könnte irgendwann aus diesem sehr wichtigen und unterstützenswerten Projekt ein unschönes Etwas werden.

Seit der Gründung hat Wikileaks bereits mehrfach für Schlagzeilen gesorgt, seien es nun die geleakten Dokumente von Chelsea Manning (ehemals Bradley Manning) oder anderen Whistleblowern. Im Zuge dieser Veröffentlichungen gab es diverse Versuche, Wikileaks auf dezente Weise loszuwerden, worauf wir im nächsten Abschnitt kurz eingehen wollen.

Maßnahmen gegen Wikileaks

Es gab eine Vielzahl kleinerer und größerer Maßnahmen, die gegen Wikileaks ergriffen wurden. Damit die veröffentlichten Informationen im Falle einer Ausschaltung von Wikileaks nicht verloren gehen, begannen diverse Seiten damit, den Content der Seite zu mirrorn.

Wikileaks Mirror-Seiten

Als Mirror wird in diesem Kontext eine Seite bezeichnet, die den Inhalt einer anderen Website 1:1 dupliziert. Dies ist besonders dann wichtig, wenn nicht davon ausgegangen werden kann, dass die Originalseite zuverlässig und dauerhaft verfügbar bleiben wird. Bedenken in dieser Richtung können eine Vielzahl an Gründen haben, aber bei Wikileaks stehen eindeutig politische Motive an erster Stelle als Gefahrenquelle.
Besonders nach der Cablegate-Affäre gab es ernst zu nehmende Bedenken bezüglich des Fortbestehens der Plattform, weshalb jede Menge Leute eigene Wikileaks-Mirrors aufsetzten, die teils auch bis heute bestehen.
Auch Technik-Laien war und ist es möglich, sich an diesen Aktionen zu beteiligen. Entweder über Spenden an eine der existierenden Mirror-Seiten oder das Aufsetzen eines eigenen Mirrors. Entsprechende Anleitungen sind im Netz zu finden und sollten mit etwas Eigeninitiative ein guter Ausgangspunkt sein, um die Sache hinzubekommen.
Dass derartige Vorsichtsmaßnahmen notwendig sind, zeigte sich mittlerweile bereits mehrfach. Die Angriffe auf Wikileaks seitens Regierungen und Konzernen sind ebenso zahlreich wie verbissen.

Die folgende Liste erhebt keinen Anspruch auch Vollständigkeit und soll nur einen kurzen Überblick gewähren.

  • Februar 2008 – Sperrung von Wikileaks in den USA

    Im Februar 2008 wurde Wikileaks für die Dauer von 2 Wochen in den USA gesperrt. Vorausgegangen war die Veröffentlichung von vertraulichen Daten zu Vorwürfen der Geldwäsche und Steuerhinterziehung Im Fall der Julius Bare Bank. Nachdem die Bank ihre Klage zurückgezogen hatte, wurde die Sperre aufgehoben. Die Authentizität der damals veröffentlichten Daten ist bis heute strittig. Es muss allerdings angemerkt werden, dass es zum damaligen Zeitpunkt noch keine Prüfung seitens Wikileaks gab. Ähnlich der Wikipedia war Wikileaks 2008 noch eine Plattform, auf der jeder frei Inhalte veröffentlichen konnte.

  • Juli 2009 – Der Iran blockiert Wikileaks

    Nachdem Wikileaks über einen Unfall in der Nuklearanlage Natanz berichtet hatte, sperrte der Iran fast alle Domains der Enthüllungsplattform. Wikileaks zeigte in einer Stellungnahme zwar auf, dass Zensurmaßnahmen im Iran oft nur durchgeführt werden, um die Propaganda wohlhabender und mächtigerer politischer Gegner abzuwürgen, verurteilte die Sperrung der eigenen Plattform aber als unberechtigte Übertretung der Menschenrechte.
    Dass sich der Iran mit der Sperrung nicht unbedingt einen Gefallen getan hat, dafür lassen sich einige Argumente finden. Denn bereits mehrfach hat Wikileaks Falschmeldungen der westlichen Medien bezüglich des Irans richtiggestellt.
    Diese Information im Hinterkopf liegt die Vermutung nahe, dass durch die Sperrung eher Leaks aus dem Iran heraus verhindert werden sollten

  • August/September 2010 – Vorwürfe gegen Julian Assange

    Gegen Ende August gab es im Jahr 2010 schwere Vorwürfe gegen Julian Assange. Ihm wurden in Schweden sowohl sexuelle Belästigung als auch Vergewaltigung vorgeworfen. Der Nebel klärt sich aber, sobald man sich mit den Details der schwedischen Gesetzgebung und der Anschuldigungen selbst beschäftigt.
    Assange hatte, soviel ist unstrittig, mit den beiden vermeintlichen Opfern während eines Aufenthalts in Schweden Geschlechtsverkehr. Im ersten Fall platzte, auch das ist soweit unstrittig, das Kondom. Die Vergewaltigungsvorwürfe ergeben sich in diesem Fall aus dem Vorwurf, Assange habe das Kondom mutwillig sabotiert. Eine Behauptung, die man mit keinerlei Beweisen untermauern konnte.
    Der zweite Fall besteht letztlich aus einer ähnlich dubiosen Anschuldigung. Die zweite Frau hatte offenbar ungeschützten Sex mit Assange, der ihrer Aussage nach keine Kondom benutzen wollte. Und das war es dann auch. Auf das Kondom zu verzichten ist nicht die cleverste Entscheidung, aber keinesfalls eine Vergewaltigung. Das vermeintliche Opfer wurde (auch nach eigener Aussage) nicht festgehalten, erpresst oder genötigt. Assange wollte Sex ohne Schutz, sie hat mitgemacht.
    Interessant ist, dass eine der beiden Frauen sich kurze Zeit später über die Zeitung „Aftonbladet“ zu Wort meldete und verkündete, dass weder sie noch das andere „Opfer“ gewollt hatten, dass Assange wegen Vergewaltigung angeklagt wird. Die oben beschriebenen Anschuldigungen kommen also anscheinend von den schwedischen Behörden selbst und wurden nicht von den Damen erhoben.
    Was ist nun also auf Basis dieser extrem fragwürdigen Anschuldigungen passiert? Nun, zunächst einmal wurde ein Haftbefehl gegen Assange erlassen und ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Kurze Zeit später wurde beides dann wieder aufgehoben, nur um kurz darauf einen neuen Haftbefehl zu erlassen.
    Dieser neue Haftbefehl war dann auch der Auslöser für das Auslieferungsverfahren, das Assange am Ende in letzter Instanz verlieren sollte. Als dann auch der Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens abgelehnt wurde, flüchtete Assange in die ecuadorianische Botschaft in London, da das Land seinem Gesuch nach Asyl entsprochen hatte. Die britischen Behörden gaben jedoch zu verstehen, dass sie das politische Asyl von Assange nicht für gerechtfertigt halten und ihn festnehmen werden, sobald er die Botschaft verlässt. Sogar ein Stürmen der Botschaft wurde mehr oder weniger offen angedroht.
    All das, nur um es noch einmal hervorzuheben, angeblich für den Vorwurf eines Verbrechens, bei dem sogar die vermeintlichen Opfer die Vorwürfe für ungerechtfertigt halten. Es ist sehr schwierig, hier nicht von einer politisch gelagerten Motivation auszugehen. Wikileaks hatte schließlich kurz zuvor mit der Veröffentlichung zahlreicher Depeschen und des Collateral-Murder Videos für Schlagzeilen gesorgt. Eine Auslieferung an die USA, wo Assange für die Veröffentlichung der Dokumente die Todesstrafe drohen würde, erscheint für den Fall einer Auslieferung nach Schweden recht wahrscheinlich.

  • November 2010 – DDoS Attacke auf Wikileaks

    Am 28. November 2010 wurde Wikileaks nach eigenen Angaben Opfer einer DDoS-Attacke. Das Timing war hier insofern sehr verdächtig, als dass an genau diesem Tag eine Veröffentlichung von diplomatischen Depeschen der USA angekündigt worden war.

  • Dezember 2010 – Sperrung der Amazon-Server

    Nach den DDoS Attacken im November 2010 zog Wikileaks mit Sack und Pack zu den Amazon Web Services um. Die Hoffnung war, dass man damit besser gegen derartige Angriffe gewappnet sei und die Plattform dadurch zuverlässig verfügbar bleibt. Leider trat bereits nach wenigen Tagen das genaue Gegenteil ein: Amazon sperrte den Server von Wikileaks. Erneut war die Seite nicht erreichbar. Als Grund für die Sperrung wurde offiziell ein Verstoß gegen die AGB genannt, da Wikileaks nicht die Rechte an den veröffentlichten Inhalten halte. Kritiker werfen Amazon jedoch vor, sich von Joe Lieberman und dem Homeland-Security-Ausschuss zur Sperrung gedrängt gelassen zu haben. Das lässt sich zwar nicht endgültig bestätigen, erscheint aber im Kontext nicht unwahrscheinlich. Denn Liebermann hatte öffentlich dazu aufgerufen, Wikileaks Serverleistungen zu verwehren. Da macht es durchaus Sinn anzunehmen, dass auch hinter den Kulissen ordentlich Druck ausgeübt wurde.

  • Dezember 2010 – Sperrung von wikileaks.org

    Am 3. Dezember 2010 erreichte Wikileaks eine erneute Hiobsbotschaft. everydns.net hatte die Domain wikileaks.org gesperrt. Grund dafür waren nach Angaben des Unternehmens die zahlreichen DDoS-Angriffe, durch die der Dienstleister die Stabilität seiner DNS-Server gefährdet sah. Aus Solidarität mit der Enthüllungsplattform registrierte die Piratenpartei Schweiz kurzfristig die Domain wikileaks.ch und leitete von dort aus auf Wikileaks weiter. Wikileaks.org ist mittlerweile wieder aufrufbar, allerdings nicht durch Hilfe seitens „everydns.net“.

  • Dezember 2010 – Sperrung durch Paypal

    Paypal war auch 2010 schon einer der wichtigsten Anbieter, wenn es um Online-Zahlungen geht. Umso härter traf es Wikileaks, als der Dienst die Auszahlung von Spendengeldern verweigerte. Wikileaks habe mit der rein formal gesehen ja illegalen Veröffentlichung geheimer Staatsdokumente geltende Gesetze gebrochen, weshalb man eine weitere Zusammenarbeit ausschließe. Oder, um es mit anderen Worten zu sagen: Paypal unterstützt keinen investigativen Journalismus, der ja durch Veröffentlichungen wie die von Wikileaks erst möglich wird.

  • Dezember 2010 – Sperrung durch Mastercard

    Auch Mastercard stellte am 6. Dezember 2010 die Zahlungen an Wikileaks ein. Die Begründung war nahezu identisch mit der von Paypal. Das Veröffentlichung von geheimen Dokumenten sei illegal und daher könne man nicht mehr mit Wikileaks zusammenarbeiten. Kurzzeitig hatte Wikileaks über den Umweg eines isländischen Partners von Mastercard (Valitor) wieder Spenden annehmen können. Schon nach kurzer Zeit bekam Mastercard aber Wind davon und blockte auch diesen Workaround. Erst im April 2013 wurde in Island vor Gericht ein Sieg erstritten und die Zahlung über den dortigen Mastercard-Partner „Valitor“ war wieder möglich. Nach Angaben von Wikileaks kommunizierte Mastercard nach dem Urteil auch, dass es keine Bestrebungen mehr geben würde, die Spendenkanäle dicht zu halten. Dieses Versprechen wurde gehalten. Im Juli 2013 öffnete Mastercard wieder alle Pforten (nicht nur über Valitor)und gab das Embargo gegen Wikileaks (als erster Finanzdienstleister) auf.

  • Dezember 2010 – Sperrung durch Postfinance

    Neben diversen anderen Zahlungsdienstleistern stellte auch Postfinance am 6.Dezember 2010 jegliche Transaktionen zu Wikileaks ein. Anscheinend hatte Julian Assange bei der Eröffnung des Spendenkontos fälschlicherweise angegeben, einen Wohnsitz in Genf zu haben. Und mit ausländischen Unternehmen könne man nur zusammenarbeiten, wenn ein gültiger Wohnsitz in der Schweiz existiere. Sollte sich ein Schweizer dazu bereit erklären, im Namen von Wikileaks ein Konto zu eröffnen, wäre man selbstverständlich gewillt, jegliche Spendensummen an Wikileaks zu überweisen.
    Innerhalb von 24 Stunden nach dieser Ankündigung wurde Postfinance das Opfer heftiger DDoS-Attacken seitens des Kollektivs Operation Payback, die bis zum 8. Dezember andauerten.
    Eine weitere Folge der Bekanntgabe: Es wurde ein Untersuchungsverfahren eingeleitet, in dem geklärt werden sollte, ob durch die öffentliche Ankündigung seitens Postfinance das Postgeheimnis verletzt worden sei. Denn letztlich ist auch die Frage, ob ein Kunde weiterhin Konten bei einer Bank hat, eine sensible Information. Eine Beurteilung des Sachverhalts steht seitens der Bundesanwaltschaft noch aus, die UVEK (Departementes für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation) kam jedoch 2011 zu dem Schluss, dass das Postgeheimnis nicht verletzt worden sei.

  • Dezember 2010 – Sperrung durch VISA

    Einen Tag nach Mastercard, also am 7.Dezember 2010, gab auch VISA bekannt, dass das Unternehmen kein Zahlungen mehr an Wikileaks weiterleiten würde, bis man intern untersucht habe, ob Wikileaks gegen die Betriebsregeln verstoßen hat. Auch für VISA-Karten konnte zeitweise der gleiche Workaround verwendet werden, wie bei Mastercards (siehe oben). Doch auch dieser Weg wurde nach nach kurzer Zeit geblockt. Bis 2013 sollten alle Kanäle dicht bleiben. Erst als der isländische lokale Partner von VISA, nämlich Valitor (siehe Mastercard), gerichtlich dazu angehalten wurde, die Zahlungen an Wikileaks wieder aufzunehmen, nahm das Embargo ein Ende.

  • Dezember 2010 – Sperrung durch die Bank of America

    Mitte Dezember folgte noch ein Zahlungsdienstleister dem Vorbild von VISA und Konsorten: Die Bank of America sperrte Wikileaks die Konten. Als Grund wurde genannt, dass Wikileaks potentiell an Aktivitäten beteiligt sein könnte, die den Firmenrichtlinien widersprächen.
    Zufälligerweise hatte Wikileaks kurz zuvor angekündigt, geheime Dokumente einer großen, amerikanischen Bank zu veröffentlichen.
    Die obligatorische DDoS-Attacke blieb auch in diesem Fall nicht aus. Die Bank of America rechnete aber anscheinend mit dem Schlimmsten und begann im großen Stil Domains zu registrieren, die zur Verunglimpfung der Chefetage hätten missbraucht werden können.

    Zur angekündigten Veröffentlichung der Daten kam es in diesem Fall nicht mehr. Daniel Domscheit-Berg vernichtete bei seinem Weggang von Wikileaks etwa 5GB an Daten, die im Bezug zur Bank of America standen. Nach eigenen Angaben tat er dies, um die Quellen der Dokumente zu schützen. Über den Inhalt der vernichteten Dateien ist nichts Weiteres bekannt. Ein Zusammenhang mit bekannten Skandalen würde aber nahe liegen.

  • Dezember 2010 – Sperrung durch Apple

    Kurze Zeit nach der Sperrung durch die Bank of America wurde ein App zur Ansicht von Wikileaks aus dem App Store von Apple gelöscht. Es handelte sich hier um kein offizielles Programm von Wikileaks, der Entwickler spendete jedoch für jeden Kauf einen Dollar an Wikileaks.
    Zunächst begründete Apple die Sperrung mit einem Verweis auf die AGB, laut denen Spenden-Apps kostenlos sein müssten.
    Später wurde als zweite Begründung nachgeschoben, dass Apps den lokalen Gesetzen Folge zu leisten hätten und man die App deshalb gelöscht habe.

  • August 2011 – Erneute DDoS Attacke auf Wikileaks

    Nachdem Wikileaks einen Satz von 50.000 diplomatischen Depeschen der USA zugänglich gemacht hatte, gab es eine erneute DDoS Attacke auf die Plattform. Es gelang jedoch auch hier nicht, die Verbreitung der Dokumente zu verhindern.

  • August 2012 – Erneute DDoS-Attacken gegen Wikileaks

    Im August 2012 gab es eine erneute DDoS Attacke gegen Wikileaks. Diesmal war jedoch nicht nur die Seite selbst betroffen, sondern auch diverse Seiten, die den Content von Wikileaks gemirrort hatten. (Also quasi eine Sicherheitskopie von Wikileaks angelegt hatten) Die Aktion war gut koordiniert und es bekannte sich bereits nach kurzer Zeit die Gruppe Anti Leaks zu den Angriffen.
    Ein Zusammenhang mit den Leaks zu Trapwire liegt nahe, da diese in dasselbe Zeitfenster fallen.

  • März 2015 – Gezielte Diskreditierung von Wikileaks

    Im März 2015 wurde ein Dokument veröffentlicht, das Bedenken der CIA bezüglich Wikileaks zum Thema hatte. In ihm wurde unter anderem deutlich, dass die CIA weitere Informanten aus den eigenen Reihen fürchtete, die sich mit sensiblen Informationen an Wikileaks wenden könnten. Als Gegenmaßnahme wurde vor allem die Schwächung des Quellenschutzes von Wikileaks vorgeschlagen. Wenn eventuelle Informanten damit rechnen müssten aufzufliegen, wäre das eine verhältnismäßig effektive Art der Abschreckung. Im Zuge dieser Überlegungen wurde auch die Wikileaks Task Force gegründet, die diese Ideen in die Tat umsetzen soll.

Speziell die Häufung von Hiobsbotschaften im Dezember 2010 ist höchst verdächtig. Wenn plötzlich der Hoster (Amazon Web Services), der DNS-Dienstleister (everydns.net), Paypal, Mastercard, PostFinance, Visa, Western Union, die Bank of America und Apple gleichzeitig Maßnahmen gegen Wikileaks ergreifen, dann ist es sehr schwer, nicht an eine gezielte Attacke auf die Plattform zu glauben. Die zeitliche Überschneidung mit der Veröffentlichung von US-Depeschen mal ganz außen vor gelassen.

Beinahe hätte diese Taktik auch funktioniert. Über 90% der Spendengelder fielen Ende 2010 plötzlich weg, was ein riesiges finanzielles Loch in die Organisation riss. Schätzungsweise 15 Millionen Dollar sollen Wikileaks durch die Blockade seitens der Finanzdienstleister an Spendengeldern entgangen sein.

Veröffentlichungen von Wikileaks

Eine vollständige Darstellung aller Leaks ist kaum möglich. Verstehen Sie die hier zusammengetragene Liste also als unvollständige Auswahl, die wir regelmäßig ergänzen.

  • Januar 2007 – Angriff auf Fallujah

    Im Januar 2007 kamen über Wikileaks Dokumente ans Tageslicht, die ein vollständiges Versagen der US Army beim Kampf um Fallujah belegen. Der Angriff im April 2004 auf die Stadt war anscheinend extrem schlecht vorbereitet und wurde nicht deshalb durchgeführt, weil es eine effiziente militärische Maßnahme war. Vielmehr war eine Übernahme der Stadt aus politischer Sicht „alternativlos“ geworden, da die Stadt sich bis dahin erfolgreich gegen eine Übernahme verteidigt hatte und zu einem Symbol des Widerstandes gegen Amerika zu werden drohte.
    Im November desselben Jahres gelang es zwar, die Stadt einzunehmen, die damit einhergehende Schlacht war jedoch die blutigste Schlacht des gesamten Krieges.

  • April 2007 – Ausrüstung der US Army im Irak und Afghanistan

    Im April 2007 veröffentlichte Wikileaks eine Bestandsliste der US Army für die Truppen im Irak und in Afghanistan. Auf den ersten Blick scheint dies nicht sonderlich relevant, aber auf der Liste wurden plötzlich Dinge gefunden, die gar nicht dort sein dürften: Chemische Waffen. Mindestens 2386 nicht-tödliche chemische Waffen wurden insgesamt in der Liste aufgeführt, obwohl diese seit der Chemical Weapons Convention von 1997 als Kriegsmittel verboten sind.
    Entgegen erster Dementi musste die US-Regierung schließlich zugeben, dass 2004 bei Kämpfen in Fallujah weißer Phosphor großflächig zum Einsatz kam. Wer damit nicht vertraut ist: Weißer Phosphor entzündet sich, sofern fein verteilt, von alleine. Löscht man ihn mit Wasser, entzündet er sich nach dem Trocknen wieder. Beim Verbrennen entsteht weißer Nebel aus Phosphorsäure, der wegen seiner hohen Dichte für militärische Nutzung besonders interessant ist. Es wird jedoch bei Laborarbeiten nicht ohne Grund immer mit Schutzbrille und Handschuhen gearbeitet, wenn man mit Phosphorsäure zu tun hat. Denn ungefährlich ist die Säure bei Kontakt mit Haut oder Augen keineswegs. Trotzdem deklarierte die US-Regierung den Einsatz des Weißen Phosphors als „smoke screen“, im Sinne einer künstlichen Nebelwand. Diese Einordnung ist zwar an den Haaren herbeigezogen und absolut unpassend, wurde aber bewusst so gewählt. Denn der Einsatz von künstlichen Nebelwänden ist nicht verboten.

  • November 2007 – Zustände in Guantanamo

    Am 7. November 2007 veröffentlichte Wikileaks eine Fassung der SOP (Standard Operating Procedures) für die Joint Task Force-Guantanamo aus dem Jahr 2003, also einen Leitfaden für die Wachen in Guantanamo Bay aus dem Jahr 2003. In diesem Dokument wurde deutlich, dass Gefangene systematisch gefoltert wurden (bzw. immer noch werden) und man ihnen den Kontakt zum Roten Kreuz nicht gestattete. Dass wir heute wissen, dass die Mehrzahl der Guantanamo-Insassen unschuldig ist, möchte ich der Vollständigkeit halber an dieser Stelle noch einmal erwähnen.
    Nur eine Woche nach dem Release des Dokuments forderte das Pentagon, es wieder von der Seite zu entfernen. Das Dokument ist jedoch auch heute noch verfügbar und die Authentizität wurde mehreren US-Militärs bestätigt, darunter auch Lt. Col Bush.

  • Februar 2008 – Julius Bare Bank

    Im Februar 2008 veröffentliche Wikileaks einige Dokumente, die ominöse Machenschaften wie z.B. Geldwäsche seitens der Julius Bare Bank nahelegten. Betroffen war laut der Dokumente, es könnte klischeehafter kaum sein, der Ableger auf den Cayman Inseln. Die Reaktionen der Bank auf das Leak waren vorsichtig ausgedrückt abenteuerlich. Nicht nur wurde eine Blockade von Wikileaks auf rechtlichem Weg angestrebt (und vorübergehend erreicht), auch der Umgang mit den eigenen Mitarbeitern war nicht gerade zimperlich. Die Julius Bare Bank meinte, in Rudolf Elmer den „Verräter“ gefunden zu haben, der die Daten an Wikileaks weitergegeben hatte. Und das bekam dieser zu spüren. Nicht nur wurde er dauerhaft überwacht, er und seine Familie wurden regelmäßig bedroht und belästigt. Er solle doch mal Tauchen gehen, bitte möglichst tief. Seine damals sechsjährige Tochter wurde auf dem Weg zur Schule von Privatdetektiven verfolgt, seine Frau auf der Autobahn solange verfolgt, bis die Polizei eingreifen musste.

  • Juli 2010 – Afghan War Diary

    Am 25. Juli 2010 wurden von Wikileaks diverse Dokumente zum Krieg in Afghanistan veröffentlicht, oft als das Afghan War Diary (Afghanisches Kriegstagebuch) bezeichnet. Die überwiegend als „geheim“ eingestuften Dokumente berichten über den Zeitraum von 2004 bis 2009. Von besonderem Interesse sind dabei die oft nicht veröffentlichten Zahlen zu zivilen Opfern, dem Erstarken der Taliban und Anzeichen für eine Verbindung des Iran zu den Taliban.

  • Juli 2010 – Das Collateral Murder Video

    Am 5.April 2010 veröffentlichte Wikileaks ein Video, das einen Hubschraubereinsatz im Irak zeigt. Die US-Soldaten schießen dabei fahrlässig und mit augenscheinlicher Freude auf Zivilisten und Helfer, die den Verletzten zu Hilfe eilen.

  • November 2010 – Cablegate (US-Depeschen)

    Am 28. November 2010 begann die Veröffentlichung von insgesamt 251.287 US-Depeschen, die als Cablegate in die Geschichtsbücher eingehen sollte. Anfangs war ein gestaffelter Release der Dokumente geplant, durch eine Sicherheitspanne wurde jedoch bereits nach kurzer Zeit das komplette Paket frei verfügbar, woraufhin auch Wikileaks selbst alle Depeschen auf einen Schlag veröffentlichte. – Ohne dabei sensible Daten zu entfernen, wie sie das zuvor beim gestaffelten Release getan hatten. Das mag erst einmal schlimm klingen, war in der gegebenen Situation aber wohl die bestmögliche Wahl. Denn durch den Fauxpas waren die ungefilterten Dokumente schon in Umlauf gelangt. Jetzt war es wenigstens jedem ohne Umwege möglich zu checken, ob der eigene Name in den Leaks enthalten ist und ggf. dann entsprechend zu reagieren. Dass eine solche Sicherheitslücke gar nicht erst hätte entstehen dürfen, das steht außer Frage und ist definitiv kritikwürdig. Der Umgang mit der entstandenen Situation ist aber absolut korrekt gewesen.
    Geleakt hatte die Dokumente Chelsea Manning (damals Bradley Manning), die die Dokumente mitgehen lassen hatte, als sie im Irak stationiert war. Auch das Collateral Murder
    In den Dokumenten wurde eine Vielzahl an Überschreitungen seitens der US-Regierung, dem US-Militär und der US-Geheimdienste deutlich, in den Medien spielten aber zu großen Teilen nur die flapsigen bis beleidigenden Kommentare der US-Diplomaten zu anderen Politikern eine Rolle.

  • August 2012 – Trapwire

    Nach den Anschlägen vom 11. September gab es Bestrebungen der US-Regierung, die Koordination zwischen den einzelnen Organen der Exekutive zu verbessern. Details über die genaue Art der Maßnahmen erhielt die Öffentlichkeit jedoch zunächst nicht. Erst 2012 kam durch Wikileaks ans Tageslicht, wie umfangreich die Änderungen wirklich sind und wer daran beteiligt ist. Besonders kritisch ist neben dem Umfang des Maßnahmenkatalogs die Position des privaten Unternehmens Trapwire zu sehen. Ein Privatunternehmen, das als Vermittler zwischen den (im Inland tätigen) Geheimdiensten, der lokalen Polizei, dem Militär und Unternehmen fungiert, kann auf direktem Weg großen Einfluss auf die verbundenen Institutionen ausüben. Und dieser Einfluss ist in keiner Weise demokratisch legitimiert. Mit Bürgerrechten hat es nicht mehr viel zu tun, wenn Unternehmen, die nicht Teil des Staatsapparats sind, solche Privilegien genießen.
    Was das Ausmaß der Überwachung angeht: Durch Trapwire werden Daten von Überwachungskameras gebündelt und analysiert, wodurch sich laut offiziellen Aussagen Anschläge und Attentate prognostizieren lassen. Auch Berichte von Privatpersonen über verdächtige Vorgänge werden berücksichtigt. In der Privacy Policy von Trapwire wird zwar beteuert, man sammele keine sensiblen, personenbezogenen Daten, aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass derartige Aussagen oft nicht zutreffen. Ohne eine unabhängige Prüfung des Systems muss man weiterhin kritisch bleiben.

1 Kommentar zu Wikileaks für Einsteiger

  1. Sehr Schöner Artikel, ich Persönlich schätze die Arbeit von Wikileaks sehr, mich interessieren die Gerüchte über Julian Assange überhaupt nicht, mich interessiert nur die Enthüllung. Leider finden diese Enthüllungen in unsere Mainstream Medien nicht immer den nötigen Respekt und Berichterstattung.

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