Zoophilie

Auf den Hund gekommen?

Die Überschrift mag erst einmal unpassend und geschmacklos klingen, wurde von mir aber bewusst so gewählt, um einen sehr kritischen Punkt zu verdeutlichen: Das Thema ist derart emotional besetzt, dass eine sachliche Diskussion kaum möglich ist. Ja sogar Witze über das Thema stoßen bei vielen Menschen auf heftige Ablehnung.
Gerade wenn es um Verbote und moralische Entscheidungen geht, ist eine nüchterne Analyse aber unbedingt notwendig. Wenn wir beginnen, Dinge alleine aus Gefühlen und nicht aus vernünftigen Überlegungen heraus zu verbieten, können wir als Gesellschaft langfristig nur verlieren. Dieser Artikel stellt daher den Versuch dar, das Thema Zoophilie sachlich zu bewerten. Auch ein paar kleine Witze werde ich mir wohl nicht verkneifen können, einfach um vielleicht manch einem Leser auf diese Weise die Berührungsängste mit dem Thema zu nehmen.

Was ist Zoophilie und ist ein Stigma sinnvoll?

Zunächst vielleicht einmal eine kurze Erklärung für all diejenigen, die nicht wissen worum es geht. Ein zoophiler Mensch fühlt sich zu Tieren sexuell hingezogen, was zwar stellenweise in sexuellen Handlungen enden kann, aber keineswegs muss. Es ist wichtig, dies im Hinterkopf zu behalten. Denn die Gedanken sind letztlich frei, auch wenn sie auf unschickliche Weise dem Schäferhund des Nachbarn gelten. Ebenfalls wichtig ist in diesem Kontext: Sexuelle Neigungen sind nach aktuellem Stand der Wissenschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit angeboren und nur einige Details werden durch die frühkindliche Prägung beeinflusst. Eine nachträgliche Änderung dieses tief verwurzelten Triebes ist nicht möglich. Aus genau diesem Grund ist ein Stigma keine gute Idee. Unabhängig davon, ob man Zoophilie nun verurteilt oder nicht. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Ganz besonders dann, wenn man Sex mit Tieren für falsch hält, sollte man besonders hart daran arbeiten, das Stigma abzuschaffen. Pädophile beispielsweise sind sich oft komplett darüber im Klaren, dass sie ihre Sexualität nicht ausleben können, ohne gegen grundlegende moralische Prinzipien zu verstoßen. Doch obwohl es ihnen eigentlich klar ist, werden manche dann letztlich doch zu Triebtätern. Viele dieser Fälle hätten verhindert werden können, wenn das Thema nicht einem so heftigen Stigma unterliegen würde. Denn dadurch fällt es Betroffenen extrem schwer, Hilfe zu suchen. Ganz besonders wenn man gezwungen ist auf das Ausleben der eigenen sexuellen Vorlieben zu verzichten, ist eine psychologische Behandlung aber extrem wichtig. Nur um das klarzustellen: Ich möchte hiermit keineswegs Kindesmissbrauch entschuldigen. Aber wenn wir das Wort „Pädophiler“ mit „Triebtäter“ gleichsetzen, so wie es im Moment oft getan wird, erzeugen wir ein Stigma, mit dem wir Leute in eine Ecke drängen, in die diese selbst nicht wollen. Wir verhindern, dass Leute, die ihr Problem erkannt haben und daran arbeiten wollen, sich Hilfe suchen. Denn sie haben Angst, als „Kinderschänder“ verunglimpft zu werden. Wer also der Meinung ist, dass das Ausleben von Zoophilie moralisch nicht tragbar ist, der darf Zoophile nicht nur aufgrund ihrer Sexualität verurteilen. Dadurch drängt man auch diese einfach nur wieder in Isolation und verhindert, dass die betroffenen Menschen sich Hilfe suchen.

Wenn es an die Bewertung von Zoophilie geht, muss man denke ich zwei Bereiche getrennt beachten:

  1. Die moralische Wertung
  2. Ob es Sinn macht, Zoophilie unter Strafe zu stellen.

Diese beiden Fragen hängen natürlich zu einem gewissen Grad zusammen, aber es gibt sehr viele Dinge, die vielleicht moralisch verwerflich sein mögen, aber trotzdem legal sind. Man denke nur mal an Massentierhaltung oder Zeitarbeit. Diese beiden Beispiele sind natürlich zufällig gewählt und stehen in keinem Zusammenhang.

Ist Zoophilie moralisch vertretbar?

Im ersten Moment werden die meisten Menschen hier wohl mit einem klaren „Nein“ antworten. Eine ganze Zeit lang war das ebenso meine Einstellung zum Thema. Bei einem klaren „Ja“ bin ich aber auch jetzt nicht angekommen, weshalb ich im unbefriedigenden Bereich dazwischen festsitze. Nicht zuletzt ist eine klare Antwort auch deshalb schwer, weil die Rahmenbedingungen sich massiv unterscheiden können. Schauen wir uns also mal die am häufigsten genannten Argumente gegen Zoophilie an.

Als erstes wird meist darauf hingewiesen, dass das Tier den sexuellen Handlungen nicht zustimmen kann. Dadurch wird, so die Kritiker, jeder zoophile Akt zu Tierquälerei. Ganz von der Hand zu weisen ist dieses Argument nicht, unbestrittenermaßen fällt die Kommunikation mit Menschen deutlich einfacher als mit Tieren. Das Argument lässt aber auch zwei Dinge außer Acht:

  1. Nonverbale Kommunikation
    Selbst wenn eine Verständigung mit Worten unmöglich ist, lässt sich ohne Sprache eine Menge kommunizieren. Auch beim Sex mit Menschen wird in den seltensten Fällen förmlich gefragt, ob die Gegenseite denn Interesse an Geschlechtsverkehr hat. Das läuft nicht unbedingt selten komplett nonverbal ab.
    Durch die intensive Forschung im Bereich der Tierpsychologie kann ein gut informierter Mensch mittlerweile vieles am Verhalten von Tieren ablesen. Auch das „Anbieten“ seitens des Tieres kann oftmals recht klar erkannt werden. Und solange das Tier nicht angebunden ist und Raum zum Ausweichen hat, kann es der Situation auch jederzeit entfliehen, wenn es Leid oder Schmerzen empfinden sollte.
    Das wäre mehr, als man z.B. bei der Tierzucht sagen kann. Dort werden die Weibchen in aller Regel fest in einer Vorrichtung eingespannt und können sich gegen das Eindringen des Männchens in keiner Weise wehren und der Situation nicht entkommen. Wer also Fleisch aus Massentierhaltung isst, kann Zoophilie nicht verurteilen, ohne eine krasse Doppelmoral an den Tag zu legen. Das aber nur am Rande.

  2. Ist er schon drin?
    Diese Frage gehört einerseits zu einigen der ältesten und flachsten Sex-Witze, beschreibt aber andererseits sehr gut einen weiteren wichtigen Faktor. Denn nicht jedes Tier bekommt wirklich viel davon mit, wenn ein Mensch hinter ihm loslegt. Da kann der Zoophile zappeln und machen was er will, ein Pferd wird seine Bemühungen kaum zur Kenntnis nehmen. Was in diesem Fall also an Schmerz und psychologischem Trauma beim Tier tatsächlich entstehen kann, ist höchst fragwürdig.
    Allgemein wird viel zu selten diskutiert, ob man die Beurteilung nicht von der Tierart abhängig machen muss, die präferiert wird. Bei einem Kaninchen lassen sich naheliegende Argumente dafür finden, dass es bei jedem sexuellen Kontakt mit Menschen Leid erfahren wird. Bei einem Pferd wie gesagt schon eher weniger.

Ein weiteres oft angebrachtes Argument: Es sei moralisch nicht vertretbar, dass verschiedene Tierarten (zu denen ich jetzt mal kackendreist auch den Menschen zähle) miteinander Sex haben. Das sei unnatürlich und damit verwerflich. Da stelle ich mir immer nur eine Frage: Würden diese Menschen genau so vehement gegen die Zucht von Maultieren argumentieren? Letztlich ist auch das nichts anderes.

Die bisher besprochenen Argumente haben ihren Ursprung meiner Einschätzung nach eher in persönlichem Ekel und einem Unwillen, sich objektiv mit der Materie zu beschäftigen. Besonders viel Überlegung steckt nicht dahinter. Gibt es also nichts, was gegen Zoophilie spricht?
Wie eingangs bereits erwähnt, bin ich bei der moralischen Bewertung von Zoophilie noch unentschlossen. Und das liegt in erster Linie am folgenden Argument:
Es existiert ein massives Machtgefälle zwischen Tier und Mensch. Das Maß an Kontrolle, das ein Mensch durch seinen (hoffentlich) überlegenen Intellekt und seine autoritäre Machtposition gegenüber dem Tier ausüben kann, ist enorm. Und wenn man eine Begegnung auf Augenhöhe als Voraussetzung für einvernehmlichen Sex sieht, dann ist dies der Punkt, der insgesamt am schwersten wiegt. Das alleine reicht, um mich von einem klaren „Ja“ zur Zoophilie abzuhalten.
Zu einem klaren „ Nein“ reicht es dennoch nicht, denn streng genommen würde die „Begegnung auf Augenhöhe“ auch beim Sex zwischen Menschen Probleme bedingen: Ein strunzdummer Mensch und eine kluger Mensch könnten nach dieser Logik keinen einvernehmlichen Sex haben. Natürlich spielt die Größe des Unterschieds eine Rolle, aber dann sind wir wieder beim Problem der Abgrenzung. Denn manche Tiere sind schließlich verdammt schlau. So schlau teilweise, dass der Abstand zwischen ihnen und einem sehr dummen Menschen kleiner sein könnte, als der zwischen einem sehr klugen und einem sehr simpel gestrickten Menschen. Das klingt jetzt alles furchtbar absurd und übertrieben, sollte aber in meinen Augen ernsthaft bei der Bewertung erwogen werden.

Ich für meinen Teil bin unentschlossen.

Sollte Zoophilie verboten bleiben?

Hier habe ich eine klare Meinung. Nein, es sollte kein Straftatbestand sein. (Was es leider ist) Bestenfalls hielte ich eine Ordnungswidrigkeit für vertretbar, aber auch das würde in meinen Augen eigentlich schon zu weit greifen. Massentierhaltung ist nach wie vor erlaubt und verursacht um ein tausendfaches mehr Leid, als jeder Zoophile es jemals anrichten könnte. Vor diesem Hintergrund ergibt es keinerlei Sinn, Menschen mit Einträgen ins polizeiliche Führungszeugnis, Geldstrafen oder gar Haftstrafen das Leben zu verbauen. Dass Zoophile keine Gefahr für andere Menschen darstellen, das sollte doch nun wirklich außer Frage stehen. Und solange eine ganze Industrie auf dem Leid von Tieren aufbaut und das völlig legal ist, macht es in meinen Augen keinerlei Sinn, Zoophile für ein nicht mal sicher feststellbares Leid in einem Einzelfall abzustrafen und gesellschaftlich zu vernichten.

Wenn wir als Gesellschaft so weit sind, dass wir die Massentierhaltung abgeschafft haben, kann man über die Verhältnismäßigkeit eines Verbots diskutieren und sich alle Argumente noch einmal genau ansehen. Bis dahin bleibt das bestehende Verbot eher Ausdruck von Ekel und Unverständnis und weniger Ausdruck einer rationalen Überlegung.

2 Kommentare

  1. Lieber Eckendenker,

    zuallererst möchte ich einmal klarstellen, daß ich einer der ominösen, so verachteten Zoophilen bin. Ich möchte mich aber gleichzeitig ausdrücklich für die unaufgeregte und differenzierte Betrachtung meiner Orientierung aufrichtigst bedanken; gerade in einer Zeit, in der es wohlfeil erscheint, alles, was man nicht versteht, niederzubrüllen und mit Hasstiraden zu belegen, ist das ja nicht genug zu würdigen.
    Zu meiner Person: Ich bin Mitte 40, ein sogenannter exklusiver Zoophiler, also einer, der ausschliesslich „auf Tiere steht“, wie man so salopp formuliert. Tatsächlich aber ist mein Verlangen auf weibliche Pferde begrenzt, ich selbst habe mich nach 22 Jahren monogamer ud treuer Beziehung zu einer wunderschönen und charakterstarken Stute Anfang diesen Jahres von ihr verabschieden müssen und habe immer noch mit den Auswirkungen ihres Verlustes sehr zu kämpfen.
    Ich muss deswegen gleich einmal mit eiem Fehler im Artikel aufräumen:
    Der Abschnitt „Ist er schon drin?“ trifft mitnichten die Realität. Meine „Frau“ hatte ei Stockmass von knapp 170 cm, war also ein Grosspferd..und trotzdem trifft das übliche Bild des „eine Salami in einen Hausflur werfen“ nicht zu. Wir hatten beide unseren Spass miteinander, sie „ertrug“ den Verkehr nicht nur, sie nahm aktiv daran teil. Es ist also mitnichten so, daß ein Grosstier per se kaum etwas „davon“ merkt, es setzt aber eine sehr enge Bindung und echte Liebe, die über den Sex hinausgeht, voraus.

    Einen weitern fehler möchte ich ansprechen: es ist nicht so, daß Zoophilie ein Straftatbestand ist. Vielmehr war Zoophilie bis zum 13.7.2013 in Deutschland „legal“, wenngleich einem diese Legalität bei Bekanntwerden des „unnatürlichen“ Verhältnisses wenig half. Die Gesellschaft kann sehr grausam sein, wenn man deutlich wahrnehmbar „anders“ ist. Seit dem 13.7.2013 ist die Zoophilie/ der Sex mit Tieren nun eine Ordnungswidrigkeit,keine Straftat. Das heisst explizit, daß gegen einen Zoophilen nun ein Bussgeld von bis zu 25 000 Euro verhängt werden kann, das aber wohl grössere Übel ist die zu erwartende verhängung eines Tierhalteverbotes. Für nichtexklusive Zoophile wohl kein wirklich grosser Einschnitt in ihr Leben, für jemanden, der sich aber keineswegs zu Menschen beiderlei Geschlechtes hingezogen fühlt, der Super-GAU. Einer völligen Isolierung vom emotionalen und sexuellen Leben gleichkommend stellt dies für jemanden wie mich einen Grund dar, die Fortführung des eigenen Lebens in Frage zu stellen. Dabei habe ich mein ganzes Leben auf „meine“ Spezies ausgerichtet, bin Pferdewirt/Reitlehrer geworden, weiss über Pferde wohl wesentlich mehr als die allermeisten anderen, bin als Spezialist für „schwierige“ Pferde gerngesehener Gast bei überforderten Reitern und man sagt mir ein besonderes Einfühlungsvermögen in die Pferde nach. Ich bin mir der Brisanz meiner Orientierung bewusst, trotzdem sehe ich das angesprochene Machtgefälle ,welches gern bei Mensch-Tier-Beziehungen postuliert wird, als bei mir nicht gegeben an. Wer schn einmal versucht hat, etwas gegen den Willen eines bis zu 600 kg schweren und mit Hufen und Zähnen sehr wohl der Selbstverteidigung mächtigen Tieres zu unternehmen, der weiss, wie illusorisch dieses Machtgefälle letzendlich ist. Es geht bei Pferden nur über ein freiwilliges Miteinander, das ist Fakt. Ich brauche unter mir kein unterwürfiges und in Duldsamkeit geprügeltes Wesen, sondern einen verlässlichen Freund, der weiss, daß ich ihm ein ebenso verlässlicher Freund bin.

    Ja, ich weiss, daß es in dieser „zoophilen Subkultur“ auch extrem negative Auswüchse gibt, vieles davon verurtele ich dabei aufs Schärfste, wie z.B. Tierpornographie, die für mich nur eine weitere Ausbeutung der Tiere darstellt.
    Doch ich möchte mich nochmals für die differenzierte Betrachtung bedanken, die leider viel zu selten für eine sehr kleine Gruppe, die weder für Mensch noch für Tier eine Gefahr darstellt, an den Tag gelegt wird. Wir sind keine Monster. Wir leben zwischen euch und die wenigsten werden je bemerken, daß einer von uns direkt vor eurer Nase herumläuft. Ich besitze noch nicht einmal Gerte oder Sporen ud verwende nur stumpfe Gebisse, bemühe mich also, den Pferden nur das allerbeste Verhalten angedeihen zu lassen. Ich schlage nicht, was ich liebe. Meine Stute hat dies stets sehr geschätzt und ich meine, das unsere Liebe mitnichten eine Illusion war, wir beide waren füreinander geschaffen. Selbst Aussenstehenden ohne Ahnung von meiner Orientierung fiel diese Innigkeit auf.
    Deswegen mein Appell: Bitte schaut genau hin, auch wenn ihr euch vor uns ekelt. Wir sind keine bösen Menschen per se, sind keine Triebtäter oder Vergewaltiger; noch dazu sind wir so wenige, daß das Riesentamtam, was um uns gemacht wird, allenfalls aus einer Mücke einen Elefanten zu machen taugt.
    Wir wollen auch nur leben, wie ihr auch. Wir wollen auch nur lieben. Schaut bitte genau hin, bevor ihr uns verdammt. Wir haben euch nichts getan, wir tun auch unseren Tieren kein Leid an, weder physisch noch psychisch.
    Schaut hin. Verdammt uns nicht. Viele von uns sind Vegetarier oder sogar Veganer, weil sie das tägliche Leid des Schlacht“viehs“ nicht ertragen können, einige sogar Mitglied in Tierschutzorganisationen, andere wie ich versuchen, den generellen Umgang mit sogenannten Nutztieren zu verändern. Letztendlich könen wir uns gegen unser Herz , und da kommt unsere Zoophilie her, nicht von unseren Geschlechtsteilen,nicht wehren.

    Und jetzt sitze ich wieder da und weine, weil ich die Liebe meines Lebens vor Kurzem auf ihrem letzten Weg begleiten musste, ich hielt ihren Kopf in meinen Armen, als sie den letzten atemzug tat. Und da draussen ruft man mir „Tierschänder“,“Perverser“ und „krankes Schwein“ zu, deklariert die mehr als zwanzig Jahre meiner Partnerschaft mit ihr als ekelerregend und ein nur eingebildetes Liebesverhältnis und entehrt sie somit posthum.
    Menschen sind grausam, wenn sie etwas nicht verstehen.

    Mit aufrichtigem Grusse
    Mechahorse

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